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Sonja Haug (2002)

Familienstand, Schulbildung und Erwerbstätigkeit junger Erwachsener: Eine Analyse der ethnischen und geschlechtsspezifischen Ungleichheiten – Erste Ergebnisse des Integrationssurveys des BiB

In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 27, 1/2002, S. 115-144, Opladen: Verlag Leske + Budrich, ISSN: 0340-2398

Dieser Beitrag enthält erste Ergebnisse des Integrationssurveys des BiB. In der Altersgruppe der 18- bis 30-Jährigen sind die Befragten mit deutscher und italienischer Abstammung überwiegend ledig, während ein Drittel der Befragten mit türkischer Abstammung verheiratet ist und mindestens ein Kind hat.

Insgesamt nehmen Deutsche bei Schulbildung und Beruf höhere Positionen als Befragte mit Migrationshintergrund ein, wobei Personen mit italienischer Abstammung deutlich besser als die mit türkischer Abstammung abschneiden. Befragte italienischer oder türkischer Abstammung, die die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, weisen gleichzeitig eine deutlich höhere Schulbildung auf als diejenigen mit ausschließlich ausländischer Staatsangehörigkeit. Der Besitz der deutschen Staatsangehörigkeit erhöht insbesondere bei der Gruppe der eingebürgerten Türken stark die Wahrscheinlichkeit, das Abitur zu erlangen. Dahingegen wirkt sich das Einwanderungsalter nicht so einschneidend wie erwartet aus. Bildungsinländer, d.h. Personen, die im Vorschulalter eingewandert oder in Deutschland geboren sind, haben unter Kontrolle der Staatsangehörigkeit keine höhere Wahrscheinlichkeit, die Hochschulreife zu erreichen, als diejenigen, die in höherem Alter eingewandert sind. Es lassen sich keine ausgeprägten Geschlechtsunterschiede oder Alterskohorteneffekte feststellen. Frauen erreichen generell etwas häufiger als Männer mittlere Schulabschlüsse, wohingegen Männer häufiger einen Hauptschulabschluss, aber auch häufiger das Abitur machen.

Deutsche sind häufiger im Angestelltensektor und haben häufiger Führungsaufgaben inne als Befragte mit italienischer oder türkischer Abstammung. Personen italienischer oder türkischer Abstammung, die die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, nehmen fernerhin höhere berufliche Positionen ein als diejenigen mit ausschließlich ausländischer Staatsangehörigkeit. Frauen sind zwar häufiger in Angestelltenpositionen tätig, erreichen aber seltener Führungspositionen. Die italienischen Frauen gleichen sich den deutschen stark an, während die türkischen Frauen eine sehr geringe Erwerbstätigenquote aufweisen. Türkische Männer sind relativ häufig als ungelernte und angelernte Arbeiter beschäftigt, aber auch überdurchschnittlich häufig selbständige Unternehmer im Bereich Handel, Gewerbe, Handwerk, Industrie und Dienstleistungen. Die Wahrscheinlichkeit, in eine Angestelltenposition zu gelangen, hängt weitgehend vom Erwerb einer beruflichen Ausbildung und daneben auch von der schulischen Qualifikation ab. Die soziale Ungleichheit in der beruflichen Stellung ist bei Deutschen und Italienern fast ausschließlich auf Unterschiede in der formalen Bildung zurückzuführen, wohingegen die Chancen auf eine Angestelltenposition bei Personen mit türkischer Abstammung unabhängig von der Staatsangehörigkeit, dem Einwanderungsalter und der Bildung deutlich schlechter sind. Geringe geschlechtsspezifische Unterschiede bleiben unabhängig von der Bildung bestehen und bei Befragten türkischer Abstammung spielt eine Einwanderung nach dem 7. Lebensjahr eine leicht negative Rolle bei der beruflichen Platzierung.

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