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Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Link zur Startseite)

Lars Østby (2001)

Die norwegische Erhebung – Lebensbedingungen unter Migranten 1996: Hintergrund sowie Bezug zu anderen Erhebungen und zu den Registerstatistiken

In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 26, 3-4/2001, S. 433-442, Opladen: Verlag Leske + Budrich, ISSN: 0340-2398

In den skandinavischen Wohlfahrtsstaaten haben Erhebungen zu den Lebensbedingungen ihrer Bevölkerungen eine lange Tradition. Nach einigen Verbesserungen der allgemeinen Bevölkerungsstatistiken über Migranten wurde das Statistische Amt von Norwegen gebeten, im Jahr 1996 eine umfassende Erhebung über die Lebensbedingungen nicht-westlicher Migranten in Norwegen durchzuführen. Es wurde eine repräsentative Stichprobe im Umfang von 3.835 Migranten (definiert als Personen mit zwei im Ausland geborenen Eltern) im Alter zwischen 16 und 70 Jahren aus dem ehemaligen Jugoslawien, der Türkei, dem Iran, Pakistan, Vietnam, Sri Lanka, Somalia und Chile gezogen. Die folgenden Variablen wurden einbezogen: Geburtsland, Sprache, Wohnungsbedingungen, interne Migration in Norwegen, Zukunftspläne, Haushaltszusammensetzung, Ausbildung, freiwillige (unbezahlte) Arbeit, Erwerbstätigkeit, Arbeitsumfeld, Arbeitslosigkeit, wirtschaftliche Bedingungen, Gesundheit, Gewalt und Unsicherheit, soziale Kontakte, Nachbarschaftshilfe und Freizeitaktivitäten. Die Interviewdaten wurden durch Daten aus Registern ergänzt. Das Ziel der Erhebung bestand in der Registrierung aller Hauptaspekte der Lebensbedingungen der verschiedenen Migrantengruppen in Norwegen, um Vergleiche mit der Gesamtbevölkerung zu ermöglichen.

Die Erhebung ergab,

  • dass die Migranten einen niedrigeren Bildungsgrad als die Norweger aufwiesen. Die Erwerbsquote lag allgemein niedriger und die Arbeitslosigkeit wesentlich höher. Auf aktiver Stellensuche befanden sich 3 % der norwegischen Bevölkerung gegenüber 15 % der Migranten. Die Migranten bezogen ein beträchtlich niedrigeres Einkommen als die Norweger und waren stärker auf staatliche Leistungen angewiesen.
  • Einer von fünf Migranten gab an, auf dem Wohnungsmarkt, einer von sieben Migranten am Arbeitsplatz diskriminiert worden zu sein.
  • Migranten fühlten sich öfter einsam als Norweger.
  • Die Krankheitshäufigkeit lag bei den Norwegern aufgrund der häufigeren Angabe allergischer Erkrankungen etwas höher als bei den Migranten. Die Migranten gaben hingegen häufiger nervöse Erkrankungen an als die Norweger.

Von den Reaktionen auf diese Erhebung wird am Ende des Beitrags berichtet.

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