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Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Link zur Startseite)

Sonja Haug (2001)

Bleiben oder Zurückkehren? Zur Messung, Erklärung und Prognose der Rückkehr von Immigranten in Deutschland

In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 26, 2/2001, S. 231-270, Opladen: Verlag Leske + Budrich, ISSN: 0340-2398

Dieser Beitrag behandelt die Rückkehr italienischer Arbeitsmigranten von Deutschland nach Italien. Anhand amtlicher Daten aus Deutschland und Italien wird versucht, das Ausmaß der Remigration mit Hilfe verschiedener Indikatoren zu messen. Dies ist mit einigen datentechnischen Schwierigkeiten verbunden, die ausführlich dargelegt werden. Insgesamt lässt sich feststellen, dass 88 % derjenigen, die seit 1955 aus Italien nach Deutschland immigriert waren, inzwischen nach Italien zurückgekehrt sind. Zur Zeit leben noch 615.900 italienische Staatsangehörige in Deutschland. Es wird der Frage nachgegangen, ob diese Immigranten, die meistenteils eine überdurchschnittliche Aufenthaltsdauer aufweisen, aber gleichwohl zu einem großen Anteil (53 %) Rückkehrabsichten äußern, in Zukunft zurückkehren werden.

Ausgehend von der Theorie des rationalen Handelns werden Gründe gesucht, die zu Rückkehrentscheidungen führen können. Als Ursachen der Rückkehr können strukturelle Entwicklungen, wie gesetzliche Rahmenbedingungen und die konjunkturelle Lage genannt werden. Diese reichen jedoch zur Erklärung individueller Unterschiede im Verhalten der Immigranten nicht aus. Es wird davon ausgegangen, dass die individuellen Entscheidungen auf die jeweilige Ausstattung mit Kapitalien sowohl im wirtschaftlichen als auch familiär-sozialen oder kulturellen Bereich zurückzuführen sind. Analog zu den Determinanten der Immigration können die Determinanten der Remigration in Abhängigkeit von Lebensverlaufsphasen variieren und Remigrationsentscheidungen werden gemeinsam mit engen Bezugspersonen getroffen. Es wird postuliert, dass die Hauptdeterminanten einer Rückkehr in ökonomischen und familialen Faktoren zu suchen sind. Diese These wird anhand der Stichprobe italienischer Immigranten im sozioökonomischen Panel untersucht.

Bei dieser Analyse erwies sich die vorherige Rückkehr von Haushaltsmitgliedern nach Italien als die wichtigste Determinante für Remigrationsentscheidungen. Das heißt, Remigration kann als eine sequentiell ablaufende Haushaltsentscheidung betrachtet werden. Die Ergebnisse des logistischen Regressionsmodells weisen auf die Bedeutung dreier Variablengruppen hin: Entscheidend für die Remigration sind erstens die Merkmale der Haushaltsfamilie, eingeschränkt auch die des sozialen Netzwerks. Es konnte sowohl eine migrationshinderliche Wirkung der Anzahl der Familienmitglieder am Wohnort bestätigt als auch die migrationsförderliche Wirkung des vorherigen oder gleichzeitigen Wegzugs von Bezugspersonen im Haushalt gezeigt werden. Neben der Entscheidung der Familienmitglieder besteht eine zweite wichtige Determinante der Remigration im Vorhandensein einer Rückkehrabsicht. Merkmale der Migrationsbiographie wie Immigrationsalter und Aufenthaltsdauer sind nicht von entscheidender Bedeutung für die Remigration. Ein dritter Faktor hängt indirekt und direkt mit der Erwerbsfähigkeit zusammen: Das Erreichen des Rentenalters stellt einen bedeutsamen Einschnitt in der Biographie dar, denn in diesem Alter steigt die Rückkehrwahrscheinlichkeit stark an. Der ökonomische Indikator des Ausübens einer Vollzeiterwerbstätigkeit übt daneben einen relativ stabilen remigrationsverhindernden Effekt aus. Ausgehend von dieser Analyse wird die Vorhersage zukünftiger Rückkehr diskutiert.

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