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Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Link zur Startseite)

Sabine C. Henning (2001)

Die Volkszählung im Jahre 2000 in den Vereinigten Staaten von Amerika: Die alle zehn Jahre stattfindende Zählung aus historischer Sicht*

In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 26, 1/2001, S. 85-125, Opladen: Verlag Leske + Budrich, ISSN: 0340-2398

Der Artikel beschäftigt sich mit der Volkszählung in den Vereinigten Staaten von Amerika im Jahre 2000. Zunächst wird die demographische Entwicklung der U.S.A. seit der ersten Volkszählung im Jahre 1790 zusammenfassend beschrieben. Dabei wird unter anderem herausgestellt, dass die U.S.-amerikanische Bevölkerung von rund vier Millionen Menschen im Jahr 1790 auf rund 281,4 Millionen Personen im Jahr 2000 gewachsen ist. Aufgrund von Veränderungen der Geburtenhäufigkeit, der Sterblichkeit und der Wanderungen haben sich auch die rassische/ethnische Struktur, die Alterszusammensetzung oder das Bevölkerungswachstum im ländlichen/städtischen Raum über die zwei Jahrhunderte hinweg stark gewandelt.

Dann geht der Beitrag auf die Zählung im Jahre 2000 in historischer Perspektive ein und weist im Detail auf Unterschiede in der Vorbereitung, Durchführung und Auswertung der Zählung hin. Mit Blick auf die Planung und eigentliche Realisierung stellt dieses Papier besondere Charakteristika des U.S. Zensus wie Periodizität oder simultane Erfassung der Bevölkerung vor. Zudem wird auf die seit 1940 vorgenommene Unterscheidung zwischen Vollerhebung (short form) und Stichprobe (long form) eingegangen. Bei dieser Betrachtung wird nicht nur deutlich, dass sich die Zahl der Fragen im Laufe der Zeit verändert hat, sondern sich zudem deren Inhalt und Formulierung mit den gesellschaftlichen Entwicklungen des Landes gewandelt haben. Zweifellos ist auch die eigentliche Erhebung der Daten in den USA im Laufe der Jahrzehnte stark von der wirtschaftlichen, sozialen oder technischen Veränderung des Landes beeinflusst worden. Während bei den ersten Zählungen U.S. Marshals die Haushalte der Bevölkerung einzeln aufsuchten und befragten und die Ergebnisse dann öffentlich zur möglichen Korrektur bekannt gaben, beantworten die Bürger heute in der Regel die Fragen selber und senden die ausgefüllten Volkszählungsbögen auf postalischem Weg an das U.S. Census Bureau. Die Einzelergebnisse der Erhebung werden aus Datenschutzgründen von dem U.S. Census Bureau strikt geheimgehalten. Selbst dem U.S. Präsidenten oder der obersten Finanzbehörde der Vereinigten Staaten von Amerika (Internal Revenue Service) ist der Zugang zu Informationen, die eine Identifizierung einer Person möglich macht, untersagt. Letztlich ist auch die Aufbereitung und Veröffentlichung der aggregierten Daten von der technischen Entwicklung des Landes geprägt worden. Ein Blick auf die Literatur lässt dabei den Schluss zu, dass das U.S. Census Bureau selbst stark zu Innovationen im Bereich der groß angelegten Datenerhebung, –verarbeitung und –bereitstellung in den USA beigetragen hat.

Der folgende Abschnitt dieses Artikels stellt den spezifischen Nutzen und Gebrauch der Volkszählungsdaten unter anderem im Bereich der Politik, Wissenschaft und Wirtschaft vor. Dabei wird besonders auf das politische Mandat des U.S. Census Bureaus hinsichtlich der Feststellung der Bevölkerung zum Zwecke der politischen Repräsentation der einzelnen Bundesstaaten im Kongress eingegangen. Zudem basieren diverse Förderprogramme des Bundes, der Bundesstaaten und der Kommunen auf Volkszählungsdaten. So ging das U.S. Census Bureau vor Beendigung der Volkszählung im Jahre 2000 davon aus, dass rund 182 Milliarden U.S. Dollar aus dem Bundeshaushalt jährlich für die nächsten zehn Jahre an die Bundesstaaten und Regionalverwaltungen (darunter die „tribal governments“) fließen würden. Die Einhaltung von bestimmten Gesetzen wird auch mittels der Zensusergebnisse überprüft und umgesetzt. So weist das U.S. Census Bureau zum Beispiel darauf hin, dass „... Hispanic origin data are needed for the implementation of a number of federal statutes such as the enforcement of bilingual election rules under the Voting Rights Act and the monitoring and enforcement of equal employment opportunities under the Civil Rights Act“ (U.S. Department of Commerce, Census Bureau 2000g: 8). Neben vielen weiteren Anwendungsfeldern, auf die dieser Artikel im Detail eingeht, werden Informationen aus der Volkszählung auch als Grundlage für wissenschaftliche Forschung verwandt. Planungsaktivitäten von Gemeinden oder Städten sowie Marktforschung von Unternehmen bedienen sich ebenso der Zensusdaten. Zusammenfassend betrachtet machen die beiden vorherigen Abschnitte des Artikels deutlich, dass die alle zehn Jahre wiederkehrende U.S.-amerikanische Volkszählung den Status-Quo des Landes in Daten abbildet und selbst auch in ihrer Vorbereitung, Durchführung und späteren Auswertung als Ausdruck der gesellschaftlichen Entwicklung der Vereinigten Staaten von Amerika zum Zeitpunkt des jeweiligen Zensus angesehen werden kann.

Im Weiteren wird das Problem der nicht vollständigen Erfassung der Bevölkerung in den bisherigen U.S. Volkszählungen angesprochen. Anhand diverser Statistiken und GIS-Karten zeigt die Studie dabei, dass vermutlich vier Millionen Menschen (rund 1,6 Prozent der Gesamtbevölkerung) in dem 1990er Zensus nicht gezählt wurden. Diese nicht vollständige Erfassung der Bevölkerung scheint dabei nach rassischer/ethnischer und altersmäßiger Zusammensetzung der Bewohner des Landes zu differenzieren. Rund fünf Prozent der Hispanics (1,17 Millionen Menschen) oder 4,4 Prozent der Blacks (1,4 Millionen Menschen) sind nach Einschätzung des U.S. Census Bureaus in Washington in der Volkszählung im Jahre 1990 unberücksichtigt geblieben. Häufige Wohnungswechsel, Misstrauen gegenüber staatlichen Behörden, mangelnde Englischkenntnisse oder auch Fehlinformationen mit Blick auf den U.S.-Zensus mögen dabei diese Unterzählung erklären. Für den Bundesstaat Arkansas wird im folgenden dann auf die Folgen dieser Nichterfassung, wie finanzielle Einbußen im Bundeshaushalt, eingegangen. Mit Blick auf den Zensus im Jahre 2000 zeigt dieser Beitrag, wie das Census Bureau in Washington versucht hat, einer voraussehbaren Wiederholung dieses Problems vorzubeugen.

Abschließend diskutiert dieser Artikel die zukünftige Entwicklung der Volkszählung in den U.S.A. Dabei wird angedeutet, dass ab 2010 neben der Vollerhebung (short form) des U.S.-Zensus vermutlich der seit 1996 entwickelte American Community Survey landesweit durchgeführt werden soll. Die short form wird sich dabei weiterhin auf eine rein zahlenmäßige Erfassung der Bevölkerung beschränken, und die bis dato durchgeführte längere Stichprobenbefragung mittels der long form wird als solche nicht mehr stattfinden. Die Entscheidung über die genaue Zukunft des U.S.-Zensus wird letztlich jedoch bei dem Kongress liegen.

* Originaltitel: Census 2000 in the United States of America: The Decennial Count in a Historical Perspective (Volltext nur auf Englisch)

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