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Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Link zur Startseite)

Karl Schwarz (2000)

Aufforderung an die Demographen zum Einstieg in die Bevölkerungspolitik

In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 25, 3-4/2000, S. 431-440, Opladen: Verlag Leske + Budrich, ISSN: 0340-2398

Bevölkerungspolitik will auf Entwicklung und Struktur der Bevölkerung Einfluss nehmen. Ihr Handlungsfeld sind Strategien, mit denen sie versucht, auf das Fortpflanzungsverhalten einzuwirken, eine Verbesserung der gesundheitlichen Lage und Lebenserwartung der Bevölkerung zu erreichen sowie die Binnen- und Außenwanderungen zu steuern. Unerlässliche Voraussetzung dazu sind gemeinwohlorientierte gesellschaftliche Ziele. Bevölkerungspolitik kann als wissenschaftliche Disziplin und als praktisches Engagement aufgefasst werden. Ersteres versteht sich für den Bevölkerungswissenschaftler von selbst. Ob er sich darüber hinaus in die Arena der politischen Auseinandersetzungen und Entscheidungen begeben will, hängt von seinen Neigungen und zum Teil auch davon ab, ob sich ihm dazu Gelegenheiten bieten.

Der Autor des Beitrags plädiert für beides; denn er ist der Auffassung, dass die demographische Lage, in der sich Deutschland (mit vielen anderen Staaten der alten Welt) befindet, keine andere Wahl zulässt. Das gilt ohne Zweifel für die an einem historischen Tiefpunkt angelegte Geburtenentwicklung und ihre Auswirkungen auf Umfang und Altersstruktur der Bevölkerung. Sie gefährdet die Erhaltung des Humankapitals und Deutschlands als Wirtschaftsstandort. Zudem ergeben sich aus der Alterung der Bevölkerung noch nicht dagewesene Ansprüche an die Solidarität der Generationen. Schließlich muss die Frage gestellt werden, in welchem Umfang die einheimische Bevölkerung in der Lage ist, Millionen von Zuwanderern reibungslos zu integrieren.

Das alles sind Aufgaben, die gewiss nicht allein von der Bevölkerungswissenschaft gelöst werden können. Die Bevölkerungswissenschaftler können sich aber auch nicht darauf zurückziehen, allein für die Diagnose der demographischen Lage zuständig zu sein.

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