Navigation und Service

Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Link zur Startseite)

Josef Schmid (2000)

Bevölkerungswachstum und internationales Konfliktpotential – Vom ideologischen zum demographischen Jahrhundert

In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 25, 3-4/2000, S. 477-494, Opladen: Verlag Leske + Budrich, ISSN: 0340-2398

Die Sozialwissenschaften sind aus der Zeit des Kalten Krieges eine Weltordnung gewohnt, die an Demarkationslinien sichtbar war und wo ideologische Bekenntnisse eindeutig Herrschaftsräumen zugeschrieben werden konnten. Nun ist die bi-polare Welt einer multi-polaren gewichen, in der sich mehrere Zentren herausbilden werden. Dies erfordert eine Neuorientierung, wofür sich drei Thesen anbieten und miteinander verbinden lassen:

  1. eine schwerfällige Globalisierung stärkt lokale Kräfte und gibt Lokalkulturen eine Chance der Selbstbehauptung
  2. bedeutungsvoll wird das Konzept der Ethnizität; es bildet und stärkt entweder Nationalstaaten oder bringt als Minderheitenbewusstsein die Nationalstaaten in Schwierigkeiten
  3. der demographische Übergangsprozess, der in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts seinen Höhepunkt erreicht, wird auch politische Gewichtsverlagerungen im Weltmaßstab verursachen.

Im Zentrum der Betrachtung steht der Bevölkerungsfaktor. Er kann bestehende Konflikte verschärfen, aber auch Friedenslösungen erzwingen. Die Vorgänge werden auf den Kontinenten und in den einzelnen Kulturkreisen Konvulsionen auslösen, denn ab einem bestimmten Punkt der Entwicklung wird Bevölkerungszuwachs auch Machtzuwachs bedeuten und das Gesicht und die innere Struktur der noch sogenannten „Dritten Welt“ verändern. Internationale Wanderungen werden das traditionelle National- und Kulturverständnis Europas herausfordern.

Diese Seite

© Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung - 2017