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Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Link zur Startseite)

Parviz Khalatbari (2000)

Weltverstädterungsprozess – Ein zentrales Problem des 21. Jahrhunderts

In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 25, 3-4/2000, S. 459-476, Opladen: Verlag Leske + Budrich, ISSN: 0340-2398

Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts und das erste Viertel des 21. Jahrhunderts werden als ein einmaliges Kapitel in die demographische Geschichte der Menschheit eingehen. In diesem Zeitraum (1950 bis 2030) wird die Weltbevölkerung von 2,5 Milliarden (1950) auf fast 8,5 Milliarden (2030) ansteigen. Die Bevölkerungszahl wird innerhalb von nur 80 Jahren um 6 Milliarden Menschen zunehmen.

Dabei verzeichnet dieser Prozess eine eigenartige Tendenz: Das Schwergewicht der Konzentration der Weltbevölkerung verlagert sich in zunehmendem Maße in die städtischen Gebiete. Es handelt sich um einen in der Geschichte nie dagewesenen Prozess: den Weltverstädterungsprozess.

Die städtische Bevölkerung der Welt wird von 750 Millionen (1950) auf 5,1 Milliarden (2030) ansteigen. Sie machte 1950 etwa 30 Prozent der Weltbevölkerung aus. Im Jahr 2030 werden 60 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben.
Ein beträchtlicher Teil der städtischen Weltbevölkerung konzentriert sich in den großen „urban agglomerations“. Die Zahl der Großstädte und der Mega-Städte nimmt rapide zu.

Dabei spielt sich dieser Prozess vornehmlich in jenen Regionen der Welt ab, die als Entwicklungsländer zu bezeichnen sind. Die städtische Bevölkerung in diesen Regionen wird von ca. 300 Millionen (1950) auf vier Milliarden Menschen (2030) ansteigen!

Die „Verstädterung“ der Entwicklungsländer, ihr Tempo und Ausmaß sowie ihre Konsequenzen werden sicher eines der zentralen und schwer lösbaren Probleme des 21. Jahrhunderts bilden. Die Versorgung der wachsenden städtischen Bevölkerung mit Nahrungsmitteln, mit den elementaren sanitären und hygienischen Einrichtungen, mit gesundheitlicher Betreuung, mit Bildungsmöglichkeiten, mit Wohnungen, mit Müllabfuhr, mit sauberem Wasser, Energie, Transportmitteln, Kanalisation und vor allem mit Arbeitsplätzen sind einige Grundprobleme, für deren Lösung wir keine brauchbare Konzeption zur Verfügung haben.

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