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Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Link zur Startseite)

Michael Wagner und Gabriele Franzmann (2000)

Die Pluralisierung der Lebensformen

In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 25, 1/2000, S. 151-174, Opladen: Verlag Leske + Budrich, ISSN: 0340-2398

Die Pluralisierung der Lebensformen wird von vielen als bedeutsamer Aspekt des familialen Wandels in Westdeutschland seit den 60er Jahren angesehen. In dem Beitrag wird zunächst diskutiert, was unter „Pluralität der Lebensformen“ verstanden werden sollte. Insbesondere werden mehrere statistische Maße der Heterogenität oder qualitativen Varianz vorgestellt, die es zulassen, das Ausmaß der Pluralität der Lebensformen zu quantifizieren. Hierzu gehören das „variation ratio“, die Entropie sowie die Diversifikation. Im empirischen Teil des Beitrags wird angegeben, wie groß die Pluralität der Lebensformen in West- und Ostdeutschland ist. Dabei ist es wichtig, die Haushalts- und die Personenebene zu unterscheiden. Auf der Ebene der Haushalte zeigt sich für Westdeutschland, dass im Vergleich der Jahre 1972 und 1996 nicht von einer nennenswerten Pluralisierung der Lebensformen gesprochen werden kann, obwohl die Verbreitung kernfamilialer Lebensformen eindeutig zurückgegangen ist. Andere Lebensformen haben an Dominanz gewonnen, so dass trotz beträchtlicher quantitativer Verschiebungen die Pluralität der Lebensformen gleich bleibt. Jedoch ist es innerhalb der Gruppe der kinderlosen Lebensformen, vor allem aber bei den familialen Lebensformen, zu einer Pluralisierung der Lebensformen gekommen. Verlässt man die Haushalts- zugunsten der Personenebene, so fällt die Pluralisierung der Eingenerationenhaushalte stärker aus. Vermutlich gilt dieses auch für die Zweigenerationenhaushalte und die Lebensformen insgesamt, doch konnte dieses nicht umfassender untersucht werden. Weiterhin wird deutlich, dass die Pluralität familialer Lebensformen in Ostdeutschland stärker ist als in Westdeutschland. Im europäischen Vergleich ist sie in Deutschland eher gering.

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