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Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Link zur Startseite)

Mittendrin?

Lebenspläne und Potenziale älterer Menschen beim Übergang in den Ruhestand

Beiträge zur Bevölkerungswissenschaft Band 47

von Norbert F. Schneider, Andreas Mergenthaler, Ursula M. Staudinger und Ines Sackreuther (Hrsg.)

Beiträge zur Bevölkerungswissenschaft Band 47, 2015, 273 Seiten; Opladen, Berlin, Toronto: Verlag Barbara Budrich

ISBN: 978-3-8474-0636-5 (gebundene Ausgabe)
ISBN: 978-3-8474-0257-2 (eBook)

EUR 42,00

Ältere Menschen befinden sich heute in einer günstigeren Lebenssituation als frühere Generationen: Viele von ihnen verfügen über einen hohen Lebensstandard, ein hohes Bildungsniveau und eine gute Gesundheit. Angesichts dieser Potenziale stellt sich die Frage, welche Pläne und Vorstellungen ältere Menschen heute vom Leben im „dritten Lebensalter“ haben. Welche Entscheidungen treffen sie beim Übergang in den Ruhestand hinsichtlich einer weiteren Erwerbsbeteiligung, eines zivilgesellschaftlichen Engagements oder familialer Unterstützungen?

Der vorliegende Band stellt aktuelle Befunde der interdisziplinären Studie „Transitions and Old Age Potential“ (TOP) des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung zu den Lebensplänen, Potenzialen und Übergängen der 55- bis 70-Jährigen in Deutschland vor. Neben der Darstellung aktueller wissenschaftlicher Ergebnisse verfolgt der Band das Ziel, Handlungsempfehlungen für die Politik, Unternehmen oder Organisationen der Zivilgesellschaft abzuleiten – und nicht zuletzt für die Älteren selbst.

Zusammenfassungen

Übergänge, Lebenspläne und Potenziale der 55- bis 70-Jährigen: Zwischen individueller Vielfalt, kulturellem Wandel und sozialen Disparitäten

Andreas Mergenthaler, Ines Sackreuther, Frank Micheel, Victoria Büsch, Jürgen Deller, Ursula M. Staudinger & Norbert F. Schneider

Ziel dieses Beitrags ist, den Diskurs über die gesellschaftlichen Potenziale einer alternden Bevölkerung um den Aspekt der Vielfalt von Lebenslagen und -plänen beim Übergang in den Ruhestand zu erweitern. Untersuchungen zur Erwerbstätigkeit und zum Engagement im zivilgesellschaftlichen und familialen Bereich zeigen einerseits ein relatives hohes Tätigkeitsniveau der 55- bis 70-Jährigen in Deutschland. Andererseits ist diesbezüglich eine starke Variabilität zwischen Individuen und sozialen Gruppen zu beobachten. Neben der wachsenden Unbestimmtheit der Übergangsphase vom Erwerbsleben in den Ruhestand beeinflussen die sozial ungleiche Chancenverteilung im Lebenslauf die Potenziale älterer Menschen. In diesem Zusammenhang wird der Potenzialbegriff als Bestandteil von Alternsstilen in einer differenzierten Form betrachtet: neben produktiven Tätigkeiten (Erwerbsarbeit, bürgerschaftliches Engagement und familiale Unterstützung), sind das „Wollen“, das heißt die Absichten, Einstellungen und Pläne sowie das „Können“, das Humankapital und Gelegenheitsstrukturen umfasst, grundlegende Dimensionen. Innerhalb dieser Bereiche und der sich daraus ergebenden gruppenspezifischen Muster sind die Rahmenbedingungen für eine Realisierung von Potenzialen älterer Menschen unterschiedlich verteilt, was zu einer Gleichzeitigkeit von Kompetenzen und Defiziten, von „produktivem“ und „konsumtivem“ Alter führen kann. Der Beitrag schließt mit einer kurzen Darstellung der Studie „Transitions and Old Age Potential“ (TOP) und deren forschungsleitenden Fragestellungen, die den empirischen Kapiteln dieses Bandes zugrunde liegt.

Methodische Grundlagen der Studie „Transitions and Old Age Potential“ (TOP)

Ines Sackreuther, Jakob Schröber & Volker Cihlar

Der Beitrag stellt die Methodik und Datengrundlage der Studie „Transitions and Old Age Potential“ (TOP) im Überblick dar. Er beginnt mit der Vorstellung des Untersuchungsdesigns. Hier wird beschrieben, welche Grundgesamtheit der Studie zugrunde liegt und wie die Stichprobenziehung sowie die Auswahl der Zielperson erfolgte. Die daran anschließende Erläuterung des Erhebungsinstruments umfasst die Entwicklung, die Inhalte sowie den Aufbau des Fragebogens. Nach einer kurzen Darstellung der Organisation der Feldphase wird näher auf die Ausschöpfung und die Gewichtung der Stichprobe eingegangen. Im Anschluss folgt ein Überblick über die soziodemografischen Merkmale der Gesamtstichprobe. Das Kapitel endet mit einer Beschreibung der Analysemöglichkeiten der Studie TOP und einem Ausblick.

Erwerbstätigkeitsprofile von 55- bis 70-Jährigen

Sonia Lippke, Juliane Strack & Ursula M. Staudinger

Welche Faktoren bedingen im Alter jenseits des 55. Lebensjahres sowohl die Ausübung einer Erwerbstätigkeit als auch das Ausmaß? Zur empirischen Prüfung dieser Fragen wird die Stichprobe „Transitions and Old Age Potential“ (TOP) mit N=5.002 Frauen und Männern im Alter von 55 bis 70 Jahren genutzt. Lineare Regressionsmodelle mit dem Ausmaß der Erwerbstätigkeit (gemessen in Wochenstunden) als abhängige Variable wurden berechnet, um für die gemeinsame Varianz verschiedener Einflussgrößen (Kontrollvariablen, Humankapital, familienbezogene Charakteristika sowie Persönlichkeitsmerkmale) zu kontrollieren. Insgesamt kann ein Viertel der Varianz bei Erwerbstätigen ohne Altersrente beziehungsweise -pension aufgeklärt werden. Der Hauptanteil ist auf das Geschlecht zurückzuführen. Gesundheit, Bildung und Einkommen tragen darüber hinaus nur wenig zur weiteren Varianzaufklärung bei. Persönlichkeitseigenschaften sind ebenso nur geringfügig an der weiteren Varianzaufklärung beteiligt. Bei Erwerbstätigen mit Rente beziehungsweise Pension verändert sich dieses Befundmuster. Insgesamt ist die aufgeklärte Varianz zwar signifikant, jedoch auf Absolutniveau eher gering. Vergleichbar bleiben Geschlecht und Gesundheit als bedeutsame Größen. Für die Zukunft erscheint es sinnvoll, Erwerbsleben und Ruhephase in Einklang zu bringen und stärker individuell passende Erwerbstätigkeit auch in Kombination mit dem Ruhestand zu ermöglichen. Dies gilt es auf institutioneller wie auf individueller Ebene zu fördern.

Bürgerschaftliches und familiales Engagement: Befunde zum Ausmaß informeller Tätigkeit beim Übergang vom zweiten ins dritte Alter

Frank Micheel & Jürgen Dorbritz

Der Beitrag untersucht individuelle, lebenslauf- und kontextbezogene Einflüsse auf die zeitliche Intensität bürgerschaftlicher und familialer Tätigkeiten. Auf Basis der Studie „Transitions and Old Age Potential“ (TOP) mit einer Gesamtstichprobe von N=5.002 Männern und Frauen im Alter von 55 und 70 Jahren werden lineare Regressionsrechnungen durchgeführt. Summenscores aus den Informationen zur Prävalenz und Häufigkeit bürgerschaftlicher sowie familienbezogener Tätigkeiten pro Woche bilden die abhängigen Variablen (Intensität des Engagements). Die Ergebnisse zeigen, dass die Gesundheit, der Bildungsgrad, die Sozialisation in den alten Bundesländern sowie einzelne Persönlichkeitsmerkmale mit einer höheren Intensität bürgerschaftlicher Tätigkeiten verknüpft sind. Auch sind Männer im bürgerschaftlichen Bereich stärker engagiert als Frauen, die wiederum stärker familial engagiert sind. Das familiale Engagement hängt zudem mit der Haushaltsgröße und der sozialen Verträglichkeit positiv zusammen. Im Gegensatz zu den bürgerschaftlichen Tätigkeiten ist das familiale Engagement unter den in der DDR sozialisierten Befragten intensiver als unter denen, die in der BRD aufwuchsen.

Absicht zur Erwerbstätigkeit im (zukünftigen) Ruhestand

Ulrike Fasbender, Jürgen Deller, Katrin Zohr, Victoria Büsch, Carsten C. Schermuly & Andreas Mergenthaler

Dieser Beitrag befasst sich mit der Frage nach der Absicht von 55- bis 70-Jährigen, auch im Ruhestand einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Dafür wurden Personen in der angegebenen Altersspanne, die sich noch nicht im Ruhestand befanden, zu ihrer Absicht befragt, in ihrem zukünftigen Ruhestand auch weiterhin erwerbstätig zu sein. Als zentrale Einflussfaktoren wurden soziodemografische, familiale, individuelle und arbeitsbezogene Faktoren untersucht. Es zeigt sich, dass bei den Erwerbstätigen 36 % eine grundsätzliche Absicht zur Weiterbeschäftigung im Ruhestand angeben. Jedoch gibt es klare Unterschiede im Bildungs- und Gesundheitsgrad, so dass eine hohe Ausprägung in diesen beiden Bereichen jeweils mit einer höheren Weiterbeschäftigungsabsicht einhergeht. Einen weiteren Einfluss zeigt die subjektiv eingeschätzte finanzielle Lage, so dass diejenigen eher beabsichtigen im Ruhestand weiterzuarbeiten, die ihre eigene finanzielle Lage als schlechter einschätzen. Darüber hinaus können höhere Absichtserklärungen bei Menschen mit Migrationshintergrund und bei Selbstständigen erkannt werden. Außerdem bestehen tendenzielle Einflüsse der Persönlichkeit. Diese Untersuchung macht deutlich, wie individuell unterschiedlich sich Weiterbeschäftigungsabsichten darstellen und wie bedeutsam es für die Gestaltung der Beschäftigung von älteren Arbeitnehmern sein wird, differenziert auf diese einzugehen und dementsprechend Erwerbstätigkeit im Ruhestand zu gestalten.

Potenzial für bürgerschaftliches Engagement der über 55- bis 70-Jährigen in Deutschland

Frank Micheel

In diesem Beitrag wird untersucht, inwieweit ältere Personen bereit sind, eine zivilgesellschaftliche Aufgabe zu übernehmen (externes Engagementpotenzial) oder ihr gegenwärtiges bürgerschaftliches Engagement auszuweiten (internes Engagementpotenzial). Zur Beantwortung der Fragestellung wird als Datengrundlage die Gesamtstichprobe „Transitions and Old Age Potential“ (TOP) mit 5.002 Personen im Alter von 55 bis 70 Jahren verwendet. Sowohl individuelle als auch lebenslaufbezogene und kontextbezogene Merkmale werden schrittweise in binär logistischen Regressionsmodellen bezüglich ihres Einflusses auf die Engagementpotenziale untersucht. Deskriptive Befunde weisen auf ein erfreulich hohes Gesamtpotenzial hin (45 % der Befragten geben an, sich bürgerschaftlich zu engagieren zu wollen oder ihr Engagement zu intensivieren). In Bezug auf das externe Engagementpotenzial decken sich die meisten der vorgefundenen Befunde mit den aus der Literatur bekannten Zusammenhängen (zum Beispiel dem positiven Einfluss von Gesundheit, Bildung oder den Erfahrungen mit früherem Engagement oder einer höheren Bereitschaft unter Männern und unter Westdeutschen). Die Bereitschaft zu einer Ausweitung des gegenwärtigen Engagements hängt eng mit Offenheit für neue Erfahrungen, Kinderlosigkeit oder der Gemeindegröße zusammen. Im Ruhestand zu sein und die Pflege eines Angehörigen erweisen sich als negative Einflussgrößen. Der positive Einfluss von Bildung ist nur zum Teil statistisch auffällig.

Tätigkeitsmuster in der Übergangsphase in den Ruhestand

Volker Cihlar, Sonia Lippke & Jürgen Dorbritz

Dieser Beitrag beschreibt die Muster von Tätigkeiten 55- bis 70-Jähriger in Deutschland. Als untersuchte Tätigkeiten wurden die Erwerbstätigkeit, das bürgerschaftliche sowie das familiale Engagement zugrunde gelegt und je nach Zusammensetzung dieser Tätigkeiten Tätigkeitstypen ermittelt. Geschlechtsspezifische Vergleiche zeigen zunächst, dass mit dem alterskorrelierten Rückgang der Erwerbstätigkeit keine Änderung des Ausmaßes von bürgerschaftlichem und familialem Engagement einhergeht. Diese beiden Tätigkeiten weisen in beiden Geschlechtern über drei Altersgruppen hinweg Werte auf, die in ihrer Ausprägung keine bedeutsamen Unterschiede zeigen, also auf einem ähnlichen Niveau anzusiedeln sind. Je nach Zusammensetzung der drei Tätigkeiten konnten sechs Tätigkeitstypen identifiziert werden: Gering Tätige im Ruhestand, Bürgerschaftlich Engagierte im Ruhestand, Bürgerschaftlich engagierte Erwerbstätige, Familienmenschen – vorrangig Frauen, Hoch engagierte Erwerbstätige und Familial nicht engagierte Erwerbstätige. Während der am geringsten tätige Typus die meisten Personen beinhaltet, finden sich in denjenigen Typen, die eine hohe Engagementquote aufweisen, die wenigsten Personen wieder. Insgesamt zeigt sich, dass es zwar Personengruppen mit hohem Niveau an formeller und informeller Tätigkeit gibt, jedoch auch ein großer Teil von Personen existiert, der in der Übergangsphase in den Ruhestand eine geringe Aktivität in den untersuchten Tätigkeitsbereichen aufweist.

Wer möchte im Ruhestand weiterarbeiten? Muster von Weiterbeschäftigungsneigungen bei 55- bis 70-Jährigen

Victoria Büsch, Katrin Zohr, Michael Brusch, Jürgen Deller, Carsten C. Schermuly, Christian Stamov-Roßnagel & Anne M. Wöhrmann

Dieser Beitrag stellt die Muster von Absichten zur Weiterbeschäftigung im Ruhestand dar. Dafür werden mithilfe von Clusteranalysen Gruppen identifiziert, die auf der Neigung zur Erwerbstätigkeit im Ruhestand, der gewünschten Arbeitszeit und dem Wunsch beim Arbeitgeber zu bleiben basieren. Es entstehen vier Gruppen, die sich voneinander abgrenzen lassen: Die Entschlossenen, die Wechsler, die Stetigen und die Ambitionierten. Es werden Unterschiede in soziodemografischen, arbeitsbezogenen und familialen Variablen berichtet, die aufzeigen, dass sich insbesondere die Ambitionierten (hohe Neigung zur Weiterbeschäftigung und hohe gewünschte Arbeitszeit) von den anderen drei Gruppen in Geschlecht, Alter, Offenheit, momentaner Arbeitszeit, beruflicher Stellung und Anzahl der Mitarbeiter unterscheiden. Diese Gruppe beinhaltet verstärkt Männer, am häufigsten Selbstständige und Personen, die in Kleinstbetrieben unter zehn Mitarbeitern tätig sind. Die Weiterbeschäftigungswilligen stellen eine stetig wachsende Gruppe dar: Sie ist aufgrund der erkannten Unterschiede in den Mustern von Wünschen und Absichten zur Weiterbeschäftigung im Ruhestand zudem als heterogen anzusehen. Flexible Gestaltungsmöglichkeiten und typgerechte Weiterbeschäftigungsangebote können demnach Möglichkeiten zur zukünftigen Reaktion des Arbeitsmarktes auf die erhöhte Beschäftigungsquote älterer Menschen sein.

Übergangskonstellationen in die Altersrente – Welche Rolle spielen Humankapital und betrieblicher Kontext?

Jakob Schröber, Frank Micheel & Volker Cihlar

Vor dem Hintergrund der Renten- und Arbeitsmarktreformen der vergangenen Jahre betrachten wir in diesem Beitrag den Übergang in die gesetzliche Altersrente. Ziel dabei ist es, indirekte Übergangskonstellationen abhängig Beschäftigter auf ihren Zusammenhang mit dem Humankapital und dem betrieblichem Kontext zu untersuchen. Hierfür verwenden wir retrospektive Daten zum Renteneintritt von Personen der Jahrgänge 1942 bis 1951. Berechnet wird ein multinomiales Modell, in dem der direkte Übergang in die Altersrente aus Erwerbstätigkeit als Referenzkategorie dient. Wir finden deutliche Unterschiede: Der Übergang aus der Freistellungsphase der Altersteilzeit steht als privilegierte Übergangskonstellation beispielsweise mit einer geringeren Anzahl von Arbeitslosigkeitsphasen, mit einer höheren Anzahl von Mitarbeitern und mit einer Beschäftigung im öffentlichen Dienst in Zusammenhang. Der Übergang aus Arbeitslosigkeit repräsentiert hingegen eine benachteiligte indirekte Übergangskonstellation, die mit den genannten Indikatoren auf entgegengesetzte Weise zusammenhängt. Die Ergebnisse verdeutlichen somit die Notwendigkeit einer differenzierten Betrachtung des Übergangs in die Altersrente.

Produktivitätsspielräume der 55- bis 70-Jährigen: Kohortenunterschiede, Cluster und Determinanten

Andreas Mergenthaler, Anne M. Wöhrmann & Ursula M. Staudinger

Die Potenziale älterer Menschen in der Wirtschaft, der Zivilgesellschaft und der Familie spielen unter dem Eindruck des demografischen Wandels eine zunehmend wichtige Rolle. Vor diesem Hintergrund verfolgt der Beitrag das Ziel (a) in zeitlicher Perspektive die Entwicklung gesellschaftlicher Potenziale mit Hilfe eines Kohortenvergleichs nachzuzeichnen sowie (b) im Querschnitt bevölkerungsbezogene Muster formeller und informeller Tätigkeiten und die Neigungen hierzu im Alter zwischen 55 und 70 Jahren zu identifizieren und (c) deren individuelle, familiale und sozialstrukturelle Bedingungen zu bestimmen. Die Ergebnisse des Kohortenvergleichs weisen darauf hin, dass sich die gesellschaftlichen Potenziale der 55- bis 70-Jährigen in den letzten Jahren deutlich ausgeweitet haben. Die Clusteranalyse fördert sechs Typen zu Tage, die sich hinsichtlich des Ausmaßes und der Art der Tätigkeiten sowie der grundlegenden Neigungen hierzu deutlich voneinander unterschieden. Dabei konnten die „Ambitionslosen“ als Gruppe mit dem geringsten Ausmaß an Tätigkeiten und Neigungen und die „Weiterbeschäftigungswilligen“ als Typ mit dem vergleichsweise höchsten Aktivitäts- und Potenzialniveau bestimmt werden. Bei den übrigen Gruppen handelt es sich um Mischtypen, in denen bestimmte Formen von Tätigkeiten oder Neigungen hervortreten (zum Beispiel die „Erwerbstätigen“ oder die „Familial Engagierten“). Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Potenziale älterer Menschen nach soziodemografischen und -ökonomischen Merkmalen ungleich verteilt sind. Ein Altersbild, das die Produktivität und Potenziale der 55- bis 70-Jährigen betont, stößt somit zumindest bei benachteiligten Bevölkerungsgruppen an seine Grenzen.

Potenziale älterer Menschen erkennen, erhalten und fördern: Empfehlungen für Politik, Organisationen und Individuen

Andreas Mergenthaler & Norbert F. Schneider

Der Beitrag fasst die konzeptionellen und methodischen Grundlagen sowie die zentralen empirischen Ergebnisse des Sammelbandes zusammen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Ableitung von Handlungsempfehlungen zu den Potenzialen der 55- bis 70-Jährigen vor dem Hintergrund differentieller Lebenslagen, -pläne und Übergänge mit dem Ziel der Politikberatung, aber auch zur Information von Organisationen sowie der Bürgerinnen und Bürger. Es können fünf Handlungsarenen mit unterschiedlichen Problemstellungen und Zielen identifiziert werden: (1) günstigere Rahmenbedingungen für die Realisierung von Tätigkeitsabsichten schaffen, (2) Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung weiter stärken, (3) geschlechtsbezogene Ungleichheiten im Lebenslauf gezielter reduzieren, (4) bessere Vereinbarkeit produktiver Tätigkeiten fördern sowie (5) Vielfalt des Alters und des Alterns anerkennen.

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