Navigation und Service

Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Link zur Startseite)

Band 34

Mortalitätsanalyse in der Historischen Demographie

Die Erstellung von Periodensterbetafeln unter Anwendung der Growth-Balance-Methode und statistischer Testverfahren

von Marc Luy

Schriftenreihe des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung Bd. 34, 2004, 310 S., Wiesbaden: VS Verlag. ISBN: 978-3-531-14482-5 – beim Verlag vergriffen

Bei dem hier vorgelegten Band 34 der Schriftenreihe des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung handelt es sich um die im Januar 2004 an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Rostock verteidigte Dissertation von Marc Luy, die sich mit der Weiterentwicklung der bislang praktizierten Vorgehensweisen im Bereich der historischen Mortalitätsforschung unter Einführung moderner demographischer Analysemethoden befasst.

Für eine demographische Analyse bereiten historische Daten über die Bevölkerungsbewegung vor allem zwei ganz erhebliche Schwierigkeiten: die unvollständige Erfassung und der Stichprobencharakter der beschriebenen Populationen. Zur Lösung dieser Probleme schlägt Marc Luy die kombinierte Verwendung sogenannter „indirekter Schätzmethoden“ und statistischer Testverfahren vor. Daher besteht der Schwerpunkt seiner Arbeit darin, die für Sterblichkeitsuntersuchungen am besten geeigneten Verfahren abzuleiten, sie mit ihren theoretischen Hintergründen vorzustellen und ihre Anwendbarkeit in der Historischen Demographie durch Modellsimulationen beziehungsweise empirische Tests zu prüfen und darzulegen. Im Abschlusskapitel wird dies schließlich am Beispiel der Analyse der Erwachsenensterblichkeit in der Zeit vom 17. bis zum 19. Jahrhundert unter Nutzung verschiedener Datensätzen praktisch umgesetzt. Dabei zeigt Marc Luy, wie die von ihm vorgeschlagenen methodischen Erweiterungen die historische Mortalitätsanalyse wesentlich verbessern.

Die Arbeit gewinnt aber auch dadurch an Bedeutung, dass das vorgeschlagene Verfahren zur Korrektur unvollständiger Sterbefallzahlen nicht nur bei der Untersuchung historischer Mortalitätsbedingungen eine sinnvolle Erweiterung des Auswertungsspektrums bietet. Gleiches gilt für jeden Fall, wo die Ergebnisse durch Unter- oder Übererfassung im zugrunde liegenden Datenmaterial verzerrt sein könnten. Die Einsetzbarkeit der „indirekten Verfahren“ ist daher nicht auf den Bereich der Entwicklungsländerdemographie beschränkt, auch wenn sie ursprünglich allein hierfür entwickelt wurden. Tatsächlich könnten sie künftig in verschiedenen Teilbereichen der Modernen und Historischen Demographie die bestehenden Analyseverfahren sinnvoll ergänzen und sollten daher die Bandbreite der verwendeten Auswertungsmethoden erweitern. Marc Luy hat mit seiner Dissertation einen wichtigen Schritt in diese Richtung getan.

Wir freuen uns, diese innovative Arbeit durch die Aufnahme in unsere Schriftenreihe einer breiteren, insbesondere methodisch interessierten Fachöffentlichkeit zugänglich zu machen.

Diese Seite

© Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung - 2016