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International Population Conference

27. Internationale Bevölkerungskonferenz der International Union for the Scientific Study of Population (IUSSP) vom 26. bis 31. August 2013 in Busan (Korea)

Mehr als 2.500 Teilnehmer aus aller Welt diskutierten bei der 27. Internationalen Bevölkerungskonferenz der IUSSP vom 26. bis 31. August 2013 in Busan (Korea) aktuelle Forschungsergebnisse aus dem weiten Feld der Demografie. Das Themenspektrum umfasste in über 300 Sitzungen unter anderem sowohl die Bereiche Fertilität, Mortalität, Lebenserwartung und Gesundheit, Alterung, Migration, Partnerschaft und Ehe als auch die Beziehung zwischen Bevölkerung, Entwicklung und Umwelt.

Darüber hinaus befassten sich spezielle Sessions mit den Themen Kultur, Familie und Fertilität in der asiatisch-pazifischen Region. Das BiB beteiligte sich mit mehreren Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen an der mehrtägigen Veranstaltung.

Ralina Panova, Isabella Buber, Lenore Sauer und Alexia Fürnkranz-Prskawetz bei der Internationalen Bevölkerungskonferenz 2013 in Busan, Korea Konferenz der IUSSP in KoreaRalina Panova, Isabella Buber, Lenore Sauer und Alexia Fürnkranz-Prskawetz (v.l.n.r.)

Ralina Panova und Isabella Buber: Kinderwünsche von Akademikern
In ihrem Vortrag beschäftigten sich Ralina Panova (BiB) und Isabella Buber (Vienna Institute of Demography) mit den Kinderwünschen von Akademikerinnen und Akademikern in der Rushhour des Lebens. Vor dem Hintergrund weitverbreiteter Kinderlosigkeit unter den deutschen Akademikerinnen in den letzten Jahren untersuchten sie auf der Basis des Generations and Gender Survey (GGS) den konkreten Kinderwunsch von 2.187 Akademikern zwischen 27 und 40 Jahren in Westdeutschland, Österreich, den Niederlanden, Frankreich und Norwegen. Dabei stellten sie eine starke negative Beziehung zwischen dem Bildungsgrad und der Fertilität in den Ländern fest, in denen die Frauen nach der Geburt längere Zeit dem Arbeitsmarkt fernbleiben und wo die gut Ausgebildeten Probleme haben, Beruf und Familie zu verbinden. Ihr Ziel war nun, herauszufinden, wie Lebensumstände verbunden sind mit der Absicht, Kinder zu haben. Dabei identifizierten sie auf der Basis des Lebensverlaufskonzepts sowie der Annahme einer „rush hour of life“ Determinanten für die Absicht, Kinder zu bekommen.
In der Analyse zeigte sich, so die beiden Wissenschaftlerinnen, dass die Kinderwünsche in Ländern mit traditionellen Geschlechterrollen und mangelhafter Möglichkeiten der Kinderbetreuung niedrig waren, zumal in diesen Ländern auch substanzielle Geschlechterunterschiede vorhanden waren. Dazu zählten Deutschland und Österreich. Gleichwohl seien die Absichten, Kinder zu wollen, besonders ausgeprägt in der Altersgruppe der 30- bis 34-Jährigen. Dazu werden die Intentionen nicht nur vom Grad der Institutionalisierung, sondern auch von der Dauer und Art der Partnerschaft beeinflusst. Es zeige sich nämlich, dass in „Living Apart Together“-Beziehungen der Kinderwunsch niedriger ist. Diese Beziehungsform nehme in Zeiten zunehmender beruflicher Mobilitätsanforderungen weiter zu. Ein weiterer Einflussfaktor auf die Kinderwunschplanung bildete die Frage der Arbeitszeitgestaltung, betonten sie.

Dr. Martin Bujard und Jasmin Passet: Effekte der Elternzeit
Dr. Martin Bujard und Jasmin Passet untersuchten in ihrem Vortrag die Effekte der 2007 eingeführten Elterngelds auf die Erwerbstätigkeit von Müttern sowie die Fertilität von Akademikerfamilien. Dazu stellten sie die Frage, wie sich seitdem die weiblichen Beschäftigungsmuster verändert haben und ob sich die Auswirkungen der Elternzeit von den Erfahrungen der nordeuropäischen Länder unterscheiden. Auf der Basis von Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) und des Mikrozensus für die Jahre 2003 bis 2011 zeigten sie, dass es im Hinblick auf die angestrebten familienpolitischen Ziele Effekte für bestimmte Bevölkerungsgruppen gibt. So lässt sich insbesondere in der Altersgruppe der 35- bis 44-jährigen Akademikerinnen ein positiver Effekt auf die Fertilität zeigen. Insgesamt lassen sich unterschiedlich starke Wirkungen auf verschiedene Zieldimensionen erkennen, betonten Dr. Bujard und Frau Passet. So hat sich beispielsweise zum einen die Väterbeteiligung bei der Elternzeit deutlich erhöht, zum anderen lässt sich ein Einfluss auf die Geburtenrate (noch) nicht belegen – allerdings lässt sich auch keine Wirkungslosigkeit des Elterngeldes nachweisen. Hier muss die weitere demografische Entwicklung beobachtet werden und der breite familienpolitische Kontext berücksichtigt werden. Der in den letzten Jahren festgestellte Anstieg der Erwerbsbeteiligung von Müttern hat sich, was die Quote der erwerbstätigen Mütter und die durchschnittliche Stundenzahl angeht, seit der Einführung des Elterngeldes kontinuierlich erhöht, resümierten die beiden Wissenschaftler.

Martin Bujard: Strukturelle Faktoren der Geburtenentwicklung
Darüber hinaus präsentierte Dr. Bujard in einer Postersession ein Poster zum Thema „Systematic Change of Signs in Macro Patterns of Fertility – Understanding the Low Fertility Path of some OECD-Countries“, in dem er den Einfluss von Faktoren der Makroebene wie die Familienpolitik, die Institutionen, die Arbeitsmärkte, ökonomische Krisen und kulturelle Traditionen auf die Fertilität untersucht. Dabei kommt er zu dem Schluss, dass aktuelle Unterschiede im Fertilitätsniveau der untersuchten Länder ihre Ursache vor allem in der Familienpolitik, der ökonomischen Entwicklung und den kulturhistorischen Wurzeln haben.

Andreas Ette, Rabea Mundil-Schwarz (destatis) und Dr. Lenore Sauer: Arbeitsmarktintegration von Neuzuwanderern in Deutschland
Andreas Ette und Lenore Sauer beschäftigten sich zusammen mit Rabea Mundil-Schwarz vom Statistischen Bundesamt in ihrem Beitrag mit der Integration von Neuzuwanderern in den deutschen Arbeitsmarkt.
Im Kontext des demographischen Wandels und des zunehmenden internationalen Wettbewerbs um hochqualifizierte Fachkräfte kam es während des vergangenen Jahrzehnts zu einem deutlichen Wandel in der Arbeitsmigrationspolitik entwickelter Staaten. Während dabei in Deutschland das Selbstverständnis als „Nicht-Einwanderungsland“ die Debatte noch bis Ende der 1990er Jahre prägte, steht heute die Schaffung einer möglichst attraktiven „Willkommenskultur“ im Mittelpunkt. Vor diesem Hintergrund stellte Dr. Lenore Sauer unter dem Titel „Who Profits from Germany’s Culture of Welcome? The Impact of Changing Opportunity Structures on Labour Market Integration of New Immigrants” die Ergebnisse eines gemeinsamen Projektes mit Andreas Ette und Rabea Mundil-Schwarz (Statistisches Bundesamt) zur Arbeitsmarktintegration von Neuzuwanderern vor. Bei dem Vergleich der Entwicklung der Arbeitsmarktintegration über den Zeitraum von 1996 bis 2010 konnten die drei Wissenschaftler zeigen, dass neben Human- und Sozialkapital die Reformen der deutschen Migrationspolitik zu einer verbesserten Arbeitsmarktintegration der Neuzuwanderer geführt haben.


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