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Generationen – Lernen – Wohlstand

2. Berliner Demografie Forum vom 9. bis 10. Januar 2013 in Berlin

Die Forderung nach einem aktiven, strategischen und generationenübergreifenden Handeln beim Umgang mit dem Demografischen Wandel war ein zentrales Anliegen der Beteiligten des 2. Berliner Demografie Forums vom 9. bis 10. Januar, das sich in diesem Jahr mit dem Thema „Generationen-Lernen-Wohlstand“ befasste. Bereits im Eröffnungsvortrag betonte der Chef der Allianz-Versicherung, Michael Diekmann, vor gut 250 Gästen die Brisanz der demografischen Entwicklung, die mit den Folgen des Klimawandels vergleichbar sei.

Auch hier gelte nämlich: es werde umso schmerzhafter, je länger wir warten, mahnte er. Besonders im Blickpunkt des Forums stand dieses mal das „Young Expert Panel“, in dem junge Akademiker und Akademikerinnen – darunter Jasmin Passet und Ines Wickenheiser aus dem BiB – in zwei Themenschwerpunkten deutliche Appelle an Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft richteten.

Für Bundesfamilienministerin Dr. Kristina Schröder stand in ihrer Eingangsrede vor allem die Bedeutung des generationenübergreifenden Austauschs bei der Bewältigung des demografischen Wandels im Mittelpunkt: Gesellschaftlicher Fortschritt brauche sowohl das Erfahrungswissen der Älteren als auch den Pioniergeist der Jüngeren. Letztlich sei dies auch das Thema des Forums: nämlich die Teilhabe von Jung und Alt, um lebenslanges Lernen von der frühen Kindheit bis ins hohe Alter sowie um Wohlstand durch Innovation einerseits und Weitergabe von Erfahrung andererseits.

Prof. Schneider: Der demografische Wandel als globale Herausforderung und Gelegenheit zugleich

Vortrag Prof. Schneider beim Demografieforum 2. Berliner DemografieforumProfessor Schneider beim Vortrag

Dass der demografische Wandel als globale Herausforderung und als Chance betrachtet werden müsse, zeigte der Direktor des BiB, Prof. Dr. Norbert F. Schneider. Bei der Abschätzung der Herausforderungen und Gelegenheiten der Entwicklung gelte es allerdings, zwischen entwickelten und nicht entwickelten Ländern zu unterscheiden, betonte der Soziologe. So müssten in den Entwicklungsländern vor allem die Konsequenzen der Urbanisierung und der Ausbreitung von Megacities gemeistert werden. Zudem müsse es hier zu einer Verbesserung der Bildung und der Situation der Frauen mit dem Ziel einer Gleichberechtigung der Geschlechter kommen.
Die entwickelten Länder stehen demgegenüber vor zwei großen Herausforderungen: der Bewahrung der globalen Wettbewerbsfähigkeit und des Wohlstands vor dem Hintergrund alternder und schrumpfender Gesellschaften und einer Anpassung der sozialen Sicherungssysteme an den demografischen Wandel. Für die Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit stelle sich für die entwickelten Länder die Frage, inwieweit die Arbeitsproduktivität gesteigert werden könne, ohne dabei die soziale Balance zu verlieren. Zudem gehe eine Zunahme der Produktivität oftmals einher mit niedrigen Geburtenzahlen.
Insgesamt werfe die Entwicklung in ökonomischer und sozialer Hinsicht viele Fragen auf - etwa inwieweit Gesellschaften mit einer schrumpfenden, alternden und somit teureren Arbeitnehmerschaft damit rechnen müssten, dass Investitionen und Kapital in Länder mit einer vergleichsweise jüngeren Bevölkerungsstruktur und billigeren Produktionsbedingungen abwandern. Was die soziale Sicherung angehe, müsse die Frage gestellt werden, was unter Solidarität im 21. Jahrhundert zu verstehen sei und wie die Sicherungssysteme zukünftig auszusehen hätten.
Zugleich biete der demografische Wandel aber auch Gelegenheiten: So könnten in den Entwicklungsländern sinkende Geburtenraten auch Chancen für eine bessere ökonomische Entwicklung bewirken. In den entwickelten Ländern führten unter anderem veränderte Verhaltensmuster beim Konsum und den Dienstleistungen aufgrund der Alterung zu neuen Märkten und die steigende Lebenserwartung sorge für eine längere gesellschaftliche Teilnahme Älterer am sozialen Leben.

Young Expert Panels: Jung und Alt zählen gleichermaßen

Was bei der Bewältigung des demografischen Wandels getan werden müsse, zeigten die jungen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in zwei „Young Expert Panels“ mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten: In Thema 1 befassten sich die Teilnehmenden, darunter auch Jasmin Passet aus dem BiB, mit dem „Wunsch nach Kindern“. Hier zeigte Frau Passet am Beispiel der Zeitproblematik, dass es den jungen Leuten in der Rushhour des Lebens zwischen 25 und 35 schlichtweg an Zeit für die Familiengründung fehle. In der Diskussion appellierten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen, den Fokus nicht allein auf höhere Geburtenraten zu legen, sondern Kinder und Jugendliche durch gezielte Investitionen in die Entwicklung und Bildung bestmöglich zu fördern, denn wie die junge Wissenschaftlerin Katharina Klein von der Eberhard Karls Universität Tübingen formulierte: Jedes Kind zählt!

Ines Wickenheiser beim Berliner Demografieforum 2. Berliner DemografieforumInes Wickenheiser (2. v. l.) in der Diskussion

Doch zur Bewältigung der Konsequenzen des demografischen Wandels sind auch die „Aktiven Senioren“ nötig, die in Thema 2 des Panels im Fokus standen. Ines Wickenheiser aus dem BiB plädierte hier für die Abschaffung starrer, unflexibler und nicht mehr zeitgemäßer Altersgrenzen, wie sie etwa noch in manchen Berufen oder auch bei einigen Freiwilligendiensten bestünden. Jeder Mensch altere unterschiedlich. So gebe es 80-Jährige, die genauso fit, aktiv und leistungsfähig seien wie mancher 40-Jährige. Das Alter habe sich entscheidend verändert: Schließlich seien die heute 80-Jährigen nicht mehr mit den 80-Jährigen von vor 20 Jahren vergleichbar, betonte sie. Für sie ergebe sich daraus die logische Konsequenz, dass jeder die freie Wahl haben sollte – Arbeitsplätze, Freiwilligendienste und Bildungschancen sollte es für jedes Alter geben. Als Vertreterin der Generation 80+ unterstützte die ehemalige Bundesfamilienministerin, Frau Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Ursula Lehr die Forderung der „Young Experts“, vor dem Hintergrund einer längeren Aktivität älterer Menschen, nach einer Hinterfragung sämtlicher Altersgrenzen und plädierte zugleich für den Mut zur Familiengründung, auch in Zeiten unsicherer Arbeitsplätze.

Fazit: Der demografische Wandel ist eine Chance – mit allen für alle
Welche Strategien die Politik zur Bevölkerungsentwicklung verfolgt, zeigte die Staatssekretärin im Bundesministerium des Innern (BMI), Cornelia Rogall-Grothe, im Rahmen des Executive PanelsEuropean Demography Policies“ auf. Mit der Demografiestrategie der Bundesregierung vom April 2012 sei ein ressortübergreifender Ansatz eingeführt worden, der Handlungsfelder beschreibt, in denen die Bundesregierung mit Ländern und Kommunen, Verbänden, Sozialpartnern und anderen Organisationen gemeinsame Lösungen entwickeln und umsetzen wolle, die einen breit angelegten Dialogprozess erfordern, für den unter anderem eigens das Demografieportal „Politik für alle Generationen“ eingerichtet wurde. Wichtig sei, dass die eingeleiteten politischen Weichenstellungen erst langfristig Ergebnisse zeigten, mahnte die Staatssekretärin. Sie betrachte den demografischen Wandel als große Chance, wobei es allerdings auf allen Ebenen Mut, Fantasie und die Bereitschaft zur Veränderung brauche.



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