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Das BiB auf der Jahrestagung 2017 der Population Association of America (PAA)

Beim jährlichen Treffen der PAA vom 27. bis 29. April 2017 in Chicago präsentierten auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem BiB aktuelle Forschungsergebnisse.

Warum erleben manche Länder demografische Übergänge im Schnelldurchlauf? apl. Prof. Dr. Bernhard Köppen und Dr. Marc Luy (Vienna Institute of Demography, Wien) beobachteten, dass seit 1950 in einigen Ländern der „Demografische Übergang“ besonders schnell durchlaufen wurde. Diese als „Express Transitioners (ET)“ bezeichneten Bevölkerungen wurden genauer betrachtet und mit den weiteren im demografischen Übergang befindlichen Staaten im Hinblick auf mögliche ausschlaggebende Faktoren für „Express Transitioning“ verglichen.

Hier zeigt sich, dass vor allem der Urbanisierungsgrad eine sehr bedeutsame Determinante darstellt. Für nähere Untersuchungen ebenfalls relevant erwiesen sich darüber hinaus der Bildungsgrad von Frauen sowie die Demokratisierung des jeweiligen Landes.

Welche Auswirkungen haben Kita-Ausbau und Elternzeit auf die Müttererwerbstätigkeit?

Welche Effekte familienpolitische Maßnahmen auf die Erwerbsbeteiligung von Müttern in Deutschland haben, betrachtete Dr. Martin Bujard zusammen mit Dr. Jasmin Passet-Wittig und Michael Mühlichen. Ein zentrales Ergebnis: Die politischen Reformenvorhaben – wie die 2007 eingeführte Elternzeit und der Ausbau der Kinderbetreuungsinfrastruktur – haben starke positive Effekte auf die Erwerbstätigkeit von Müttern mit kleinen Kindern. Zwischen 2007 und 2014 ist die durchschnittliche reale Arbeitszeit dieser Mütter um 27 Prozent angestiegen.

In Westdeutschland führte der Ausbau der Kinderbetreuung in der gleichen Zeit zu einer beeindruckenden Aufholjagd bei der Müttererwerbstätigkeit besonders in den Regionen, die zuvor auf einem niedrigen Level lagen. Dazu gab es Zuwächse in westdeutschen Gebieten mit einem hohen Anteil an Akademikerinnen.

Deutlich wurde zudem, dass die Einführung der Elternzeit paritätsspezifische Effekte hat: So nimmt die Erwerbstätigkeit bei den Frauen nach der ersten Geburt zu – aber nicht nach der zweiten.

Subjektive Wahrnehmung von Infertilität im Zeitverlauf

Das Bild zeigt die Forschergruppe zum Thema Fertilität. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Forscherteams zu Fertilität bei der PAA-Jahrestagung.Die Forschergruppe zum Thema Fertilität (von links): Dr. Martin Bujard (BiB), Julia Mc Quillan (University of Nebraska), Dr. Jasmin Passet-Wittig (BiB) und Prof. Dr. Arthur L. Greil (Alfred University). Quelle: BiB

Wie (in)stabil ist die Wahrnehmung eines Infertilitätsproblems bei Frauen und Männern im Zeitverlauf? Welche Faktoren führen zu Veränderungen der Wahrnehmung aus einer Lebensverlaufsperspektive? Antworten auf diese Fragen suchte Dr. Jasmin Passet-Wittig zusammen mit Dr. Martin Bujard (BiB), Julia McQuillan (University of Nebraska-Lincoln, USA und Prof. Dr. Arthur L. Greil (Alfred-University, USA) auf der Basis mehrerer Wellen des deutschen Familienpanels „pairfam“.

Sie betonen, dass die subjektive Wahrnehmung nicht mit einem echten medizinischen Problem einhergehen muss. Unabhängig davon, ob ein medizinisches Problem vorliegt, ist die persönliche Wahrnehmung in vielerlei Hinsicht von Bedeutung, unter anderem wenn es darum geht, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Es lässt sich eine hohe Instabilität bei der Wahrnehmung eines Fertilitätsproblems von Jahr zu Jahr unter den Frauen und Männern im reproduktionsfähigen Alter feststellen.

Die weitere Analyse zeigt, dass die individuelle Lebenssituation relevant ist: Ältere, Verheiratete und jene, die gerade versuchen ein Kind zu bekommen, nehmen mit höherer Wahrscheinlichkeit ein Fertilitätsproblem wahr. Auch die eigene Gesundheit und die Persönlichkeitsstruktur spielen eine Rolle, wie Dr. Passet-Wittig erläutert.

Unterschiede bei der Krebssterblichkeit zwischen Frauen und Männern

Anhand von regionalen Daten zu Todesursachen präsentierten Dr. Ronny Westerman und Michael Mühlichen die Langzeittrends der regionalen Verteilung vermeidbarer Krebssterblichkeit in Deutschland. Sie untersuchten die Entwicklung bei Frauen und Männern in Süd-, Ost- und Westdeutschland zwischen 1990 und 2014. Die BiB-Wissenschaftler unterschieden zwischen Krebssterbefällen, die auf risikorelevantes Verhalten zurückzuführen sind und so durch primäre Prävention theoretisch vermeidbar wären (präventiv vermeidbar), und jenen, die durch angemessene und zeitige medizinische Behandlung theoretisch vermeidbar wären (medizinisch vermeidbar).

Aus ihren Analysen geht hervor, dass es bei den Männern große Unterschiede in der präventiv vermeidbaren Krebsmortalität zwischen dem Osten und Westen Deutschlands und noch signifikanter zwischen dem Westen und Süden gibt. Bei den Frauen hat die präventiv vermeidbare Mortalität im Westen und Süden seit 1990 zugenommen. Im Kontrast dazu ist sie in Ostdeutschland bis zu den späten 2000er Jahren gesunken und hat sich seitdem dem Muster Süddeutschlands angeglichen.

Bei der medizinisch vermeidbaren Krebssterblichkeit von Männern und Frauen zeigen sich hingegen vergleichsweise geringere regionale Unterschiede. So dominierte bei den Männern die traditionelle Ost-West-Trennung, wobei sich in den letzten Jahren zunehmend ein West-Süd-Gefälle entwickelt hat. Bei den Frauen ist das Muster ebenfalls zunehmend durch Unterschiede zwischen West- und Süddeutschland bestimmt. Ostdeutsche Frauen weisen mittlerweile bei der medizinisch vermeidbaren Krebssterblichkeit das bundesweit niedrigste Niveau auf.

Insgesamt zeigt die Studie, dass regionale Disparitäten in der vermeidbaren Krebsmortalität vor allem durch Unterschiede beim gesundheitlichen Risikoverhalten erklärt werden können. Differenzen in der Effektivität der medizinischen Versorgung haben einen geringeren Einfluss.

Pränatale Umwelteinflüsse und die Folgen für den späteren Gesundheitszustand

Die Forschungsgruppe Mortalitäts-Follow-Up der NAKO Gesundheitsstudie am BiB widmete sich am Beispiel von Knochenbrüchen der Frage, wie der Zusammenhang zwischen Umwelteinflüssen auf Kinder im Mutterleib und kurz nach der Geburt auf Erkrankungen im späteren Lebensverlauf mithilfe sogenannter Biomarker dargestellt werden kann. Biomarker sind charakteristische biologische Merkmale, die in einem Organismus Schädigungen durch Krankheit oder Ähnliches anzeigen. Der Vortrag fand im Vorfeld der PAA-Jahrestagung im Rahmen des vom amerikanischen National Institute on Aging (NIA) gesponsertem Biomarker Network Meeting statt.

Eine hilfreiche Methode stellte Dr. Ronny Westerman vor: die Messung der Knochendichte. Er wies darauf hin, dass es eine plausible Verbindung zwischen der Gewichtsentwicklung (inklusive dem Körpergewicht bei der Geburt und der Kindheit), der Knochendichte von Erwachsenen und höheren Mortalitätsrisiken gibt. So macht sich der Alterungsprozess auch durch den Knochenschwund in Form einer Osteoporose bemerkbar. Dazu kommt ein zunehmendes Risiko von altersbezogenen Knochenbrüchen der Hüfte, die mit substanzieller Morbidität und Mortalität korrespondieren. Das Vorkommen der Brüche nimmt mit steigendem Alter zu und steht in Verbindung mit dem Rückgang der Knochenstabilität, erläuterte Dr. Westerman. Die Ursachen dafür sind nur zum kleineren Teil erblich bedingt.

Vielmehr kann davon ausgegangen werden, dass früheste Umwelteinflüsse in der prä- beziehungsweise postnatalen Phase den Aufbau maximaler Knochendichte beeinflussen. Allerdings sind die Mechanismen zwischen der vorhandenen Knochendichte und dem Risiko eines Hüftbruchs im Alter noch nicht klar, schränkte er ein. Ein niedriges Geburtsgewicht hängt aber mit einer reduzierten Knochendichte und Stabilität der Muskeln zusammen.

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