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Zusammenhang zwischen Bevölkerungsfragen und nachhaltiger Entwicklung

48. Sitzung der Kommission für Bevölkerung und Entwicklung der Vereinten Nationen in New York

Nach einem Jahr Pause ist Deutschland seit 2015 wieder Mitglied der Kommission für Bevölkerung und Entwicklung (Commission on Population and Development (CPD)) der Vereinten Nationen (VN). Bei der diesjährigen 48. Sitzung vom 13. bis 17. April 2015 in New York beteiligte sich von deutscher Seite unter anderem das BiB mit Redebeiträgen und der Vorbereitung eines gut besuchten Side-Events zu den künftigen Arbeitsmethoden der Kommission. Bei der 49. Konferenz der CPD im Jahr 2016, die sich mit der Stärkung der demografischen Faktenlage für die Post-2015-Ära beschäftigt, wird Deutschland im Sekretariat der Kommission für Bevölkerung und Entwicklung vertreten sein und den Verhandlungsprozess aktiv mitgestalten.

Die diesjährige Veranstaltung untersuchte den Zusammenhang zwischen Bevölkerungs- und Entwicklungsfragen sowie deren Relevanz für die laufende Post-2015-Debatte, die sich um die Frage dreht, inwieweit die vor 15 Jahren gesetzten acht Milleniumsentwicklungsziele (MDGs) erreicht wurden und wie diese als nachhaltige Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals (SDG)) über das Jahr 2015 hinaus weiterentwickelt werden sollen. Die Diskussionen zu den Keynote-Vorträgen und den Side Events zeigten, dass der Zusammenhang zwischen Bevölkerungsentwicklung und nachhaltiger Entwicklung komplex ist. Umstritten ist unter den Experten unter anderem der direkte Zusammenhang zwischen (zu hohem) Bevölkerungswachstum und einer nicht nachhaltigen Entwicklung. Dabei wurde grundsätzlich darauf verwiesen, dass die Produktions- und Konsummuster ursächlich für die Nachhaltigkeit sind. In diesem Zusammenhang wurde mehrheitlich der (zu hohe) Ressourcenverbrauch der Industrieländer diskutiert und festgestellt, dass die Produktions- und Konsummuster der Industrieländer weder nachhaltig sind noch als Vorbild für die künftige Entwicklung der weniger entwickelten Länder dienen können – dies gilt vor allem auch im Hinblick auf den Aspekt der Verteilungsgerechtigkeit.
Aus methodischer Sicht wurde darauf hingewiesen, dass die Analyse relevanter Bevölkerungsprozesse als Grundlage für eine nachhaltige Entwicklungsplanung nur gelingen kann, wenn die Fähigkeit, in den weniger entwickelten Ländern relevante Daten zu erheben und auszuwerten, weiter gestärkt wird. Hier wurden vor allem die regionale Differenzierung der Daten und die Berücksichtigung sensibler oder benachteiligter Gruppen hervorgehoben, ohne die nicht sicherzustellen ist, dass diese Gruppen bei der Entwicklung nicht vernachlässigt werden.

Side Event bei der CPD zur Arbeit der Kommission
Mit der künftigen Aufgabe der Kommission für Bevölkerung und Entwicklung in der Post-2015-Ära beschäftigte sich ein vom BiB mitorganisiertes Side Event der UN-Bevölkerungsabteilung und der Ständigen Vertretung Deutschlands bei den Vereinten Nationen. Zu der von Botschafter Thoms eröffneten Podiumsdiskussion waren rund 80 Teilnehmer der CPD, darunter zahlreiche hochrangige Vertreter, als Gäste ins „German House“ gekommen. Unter der Leitung von Navid Hanif (UN DESA) diskutierten die belgische Botschafterin und diesjährige Vorsitzende der CPD, Bénédicte Frankinet, der technische Direktor der UNFPA, Benoit Kalasa, der Direktor der UN Bevölkerungsabteilung, John Wilmoth und Maria Antonieta Alcalde von der International Planned Parenthood Foundation Vorschläge zur künftigen Rolle der CPD. So wurde dafür plädiert, dass das Alleinstellungsmerkmal der CPD als Schnittstelle für technische und politische Fragen im Zusammenhang von Bevölkerung und Entwicklung auch in der Post-2015-Ära zwingend erhalten bleiben sollte. Damit komme der Kommission auch beim künftigen Monitoring der Post-2015-Agenda eine zentrale Rolle zu. Darüber hinaus herrschte unter den Teilnehmern Einigkeit, dass eine stärkere Einbindung der Zivilgesellschaften in die Diskussion wichtig sei.

Side Event zur Unsicherheit in den UN-Bevölkerungsprognosen
Mit Blick auf die Weiterentwicklung der methodischen Grundlagen der Bevölkerungsprojektionen der UN referierte der Direktor der Population Division, John Wilmoth, über Möglichkeiten zur Quantifizierung von Unsicherheitsfaktoren der UN World Population Prospects. Der Moderator der Veranstaltung, Frank Swiaczny vom BiB, betonte in seiner Begrüßungsrede, dass die Population Prospects die wichtigste und umfassendste Datenquelle für die Analyse der globalen Bevölkerungstrends darstellten. In den letzten Jahren habe sich die Qualität der verfügbaren Daten beträchtlich verbessert. Zudem habe auch die Population Division große Fortschritte bei der Umsetzung neuer Methoden gemacht. Er hob hervor, dass ein Verständnis in Politik und Öffentlichkeit für das Ausmaß an Unsicherheit im Hinblick auf die Bevölkerungsprognosen unverzichtbar für die Wahrnehmung und Akzeptanz der Daten sei.
In seinem Vortrag wies John Wilmoth darauf hin, dass die für die Population Prospects neu eingeführten probabilistischen Methoden der Bevölkerungsprognose dazu beitragen sollen, die Unsicherheiten bei der Festlegung von Annahmen besser abschätzen und verringern zu können. So liege die Weltbevölkerungsentwicklung bis 2100 auf der Basis dieser neuen Methode z. B. mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem Bereich von 9 bis 13 Mrd. Menschen und zeige damit eine deutlich geringere Spannbreite als bisherige Varianten der Modellrechnung, so Wilmoth.

Aktivere Mitwirkung Deutschlands bei der Arbeit der CPD
Fragen zur Analyse von Bevölkerungsprozessen und dem Zusammenhang von Bevölkerung und nachhaltiger Entwicklung werden auch bei der 49. Sitzung der CPD im kommenden Jahr eine wichtige Rolle spielen, die sich darüber hinaus der Stärkung der demografischen Faktenlage für die Post-2015-Agenda sowie der Überarbeitung der Arbeitsmethoden der Kommission widmen wird. Da Deutschland nach einem Jahr Pause wieder Mitglied der CPD ist und nächstes Jahr im Sekretariat der Kommission vertreten sein wird, besteht die Möglichkeit, die künftige Arbeit der CPD aktiv mitzugestalten.


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