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„Demografischer Wandel – Wohlstand für alle Generationen?“

Beim Strategiekongress Demografie, der am 22. September 2015 in Berlin stattfand, diskutierten insgesamt 500 Teilnehmer und Teilnehmerinnen über die Chancen der Gestaltung des demografischen Wandels und im Rahmen von Workshops auch über konkrete Maßnahmen. Im Fokus von drei Workshops standen die Themen „Zusammenhalt aller Generationen“, „Wohlstand durch hohe Beschäftigung und solide Finanzen“ sowie die „Lebensqualität in Stadt und Land“. Zu den zahlreichen Diskussionen trugen auch die Ergebnisse aus zehn Arbeitsgruppen zur Demografiestrategie bei, die eine Zwischenbilanz ihrer Arbeit seit 2012 präsentierten. Ebenfalls vertreten auf dem Kongress war das Demografieportal des Bundes und der Länder, dessen neuer Online-Dialog zum Thema „Demografischer Wandel – Wohlstand für alle Generationen?“ vom Bundesminister des Innern, Dr. Thomas de Maizière gestartet wurde.

Der Bundesinnenminister stellte in seiner Eröffnungsrede den Begriff „Wohlstand“ in den Mittelpunkt. So wies er darauf hin, dass Wohlstand mehr sei als nur Geld. Allerdings dächten die meisten Menschen bei dem Begriff meist an materielle Dinge. Sei aber von Wohlbefinden die Rede, verbänden die meisten dies mit eher immateriellen Dingen. Aber Wohlstand und Wohlbefinden umfasse beide Aspekte und so müsse auch der Sinn des Titels dieser Veranstaltung „Wohlstand für alle Generationen?“ verstanden werden, so de Maizière. Er verwies dabei auf die aktuelle Diskussion zur Flüchtlingssituation und die Bedeutung von Zuwanderung für Deutschland. Die deutsche Demografiepolitik sollte nicht auf dem Zuzug von Flüchtlingen oder politisch verfolgten Menschen aufbauen, da dies am Kern der Aufgaben, die es in Deutschland zu bewältigen gelte, vorbei gehe, meinte er. Es sei der falsche argumentative Ansatz, Flüchtlings- und Zuwanderungspolitik miteinander zu vermischen. Sinnvoll sei es eher, den Fokus weiterhin auf qualifizierte Zuwanderung zu legen.

Große Erwartungshaltung an Eltern
Für die demografische Entwicklung Deutschlands und damit auch den Wohlstand des Landes spielen darüber hinaus viele weitere Faktoren eine Rolle. So stelle sich die Frage, warum junge Paare heute weniger Kinder als früher bekommen. Dazu verwies er auf die Studie des BiB zu „Familienleitbildern in Deutschland“, die unter anderem die Erwartungen von jungen Menschen an Familie untersucht. Demnach geht es in erster Linie nicht um Geld oder Betreuungsplätze, sondern auch um immaterielle Dinge. Die BiB-Studie belege vielmehr, dass in Deutschland sehr hohe Ansprüche an das Elternsein gestellt werden – vielleicht zu hohe, kritisierte der Bundesinnenminister. Er regte eine gesellschaftliche Debatte über die „Einstellung der Elternschaft in unserem Land“ an: Eltern müsse der Druck genommen werden und zugleich die Entscheidung, Kinder zu bekommen, erleichtert werden. Sie sollten ermutigt werden, ihr Streben nach Perfektionismus in ihren Ansprüchen und Wünschen zu reduzieren. Hinzu komme, dass man auch die Großeltern miteinbeziehen müsse, da Ältere in die Generationendebatte aufgenommen werden müssten. Es gebe heute keine Trennung des Lebens von Jung und Alt mehr, sondern die Generationen rückten näher zusammen, so de Maizière. Konflikte zwischen den Generationen wie in früheren Zeiten seien heute nicht mehr vorhanden. Letztlich spiele für den Wohlstand Deutschlands die Tatkraft der Älteren eine große Rolle. Daher müsse es nun darum gehen, flexible Beschäftigungsverhältnisse zu schaffen und den Übergang von der Erwerbstätigkeit in den Ruhestand zu gestalten.

Demografiepolitik durch die „Jugend-Brille“ betrachten

Das Bild zeigt eine Brille der AG Jugend schafft Zukunft zum Thema Jugendbeteiligung bei der Demografiestrategie. Demografiepolitik soll stärker durch die "Jugendbrille" gestaltet werden.Die AG "Jugend gestaltet Zukunft" fordert eine Demografiestrategie, die auch durch die "Jugendbrille" gesehen werden müsse. Quelle: Yvonne Eich

Dass die Jugend bei der Gestaltung des demografischen Wandels und der Formulierung einer Demografiepolitik miteinbezogen wird, ist ein Anliegen der Arbeitsgruppe „Jugend gestaltet Zukunft“. Sie bietet den anderen Arbeitsgruppen zur Demografiestrategie eine Handreichung zur Berücksichtigung der Belange von Jugendlichen. Ihrer Meinung nach müssten die Herausforderungen des demografischen Wandels von allen Altersgruppen gemeinsam gestaltet werden. Zudem appellierten sie an die Gestaltungspartner im Dialogprozess zur Demografiestrategie, bei allen Überlegungen immer auch die Perspektiven der Jugendlichen im Blick zu behalten und deren Vorstellungen und Interessen durch die „Jugend-Brille“ zu betrachten. In einer Politik für alle Generationen müsste zusammen mit den jungen Menschen eine offene Diskussion über Generationengerechtigkeit, Lastenverteilung und Lebensqualität geführt werden. In der Diskussionsrunde des Bundesinnenministers und der Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles mit vier Jugendlichen aus dem Projekt, „Jugend-Demografie-Dialog“, ermunterte der Bundesinnenminister die Jugend ihre Interessen aktiv zu vertreten. Jugendliche müssten eigene Politikangebote machen, damit die Politik sie einbeziehe, betonte er.

Neuer Online-Dialog auf dem Demografieportal

Zusätzlich zu den zahlreichen Dialogforen startete Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière auf dem Demografieportal des Bundes und der Länder einen Online-Dialog zum Thema „Demografischer Wandel – Wohlstand für alle Generationen?“, in dem die Themen und Ergebnisse des Kongresses weiter diskutiert werden können. Zur Diskussion stehen die Fragen, wie der Zusammenhalt aller Generationen gestaltet werden kann und eine hohe Beschäftigung und solide Finanzen zur Sicherung des Wohlstands beitragen können. Darüber hinaus werden Antworten auf die Frage gesucht, wie die Lebensqualität in Stadt und Land gefördert werden kann. Diskutiert werden kann unter anderem mit Parlamentarischen Staatssekretären noch bis zum 15. November 2015.


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