Navigation und Service

Qualitätssicherung

Als eine Maßnahme der Qualitätssicherung in der Forschung hat das BiB folgende

Regeln zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis und zum Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten im Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BIB)

für verbindlich erklärt:

Für das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB), eine Einrichtung der Ressortforschung der Bundesregierung im Geschäftsbereich des Bundesministerium des Innern, sind die Unabhängigkeit und Überparteilichkeit der wissenschaftlichen Forschung sowie die Regeln der guten wissenschaftlichen Praxis die Grundlage seiner wissenschaftlichen Arbeit.
In der Umsetzung dieser ethischen Grundprinzipien gibt sich das BiB, aufbauend auf die Denkschrift der Deutschen Forschungsgemeinschaft „Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“ aus dem Jahr 1998 und in enger Anlehnung an entsprechende Richtlinien und Grundsätze anderer Ressortforschungseinrichtungen, folgende Regeln zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis und zum Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten. Diese Regeln sind für die Beschäftigten, Werkvertragsnehmer, Gastwissenschaftler, Nutzer von Daten des BiB sowie für die Autoren der Publikationen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung bindend.

Präambel

Unabhängigkeit, Professionalität, Aufrichtigkeit und Transparenz sind unverzichtbare Voraussetzungen wissenschaftlicher Arbeit, wenn diese dem Erkenntnisgewinn dienen und von der Gesellschaft aufgenommen und entsprechend respektiert werden soll. Jede Wissenschaftlerin, jeder Wissenschaftler ist eigenverantwortlich für ihre/seine wissenschaftliche Arbeitsweise, die sich an den Leitsätzen der guten wissenschaftlichen Praxis zu orientieren hat. Verstöße gegen diese Grundsätze sind streng zu maßregeln, aber auch zu unterscheiden von wissenschaftlichem Irrtum, der auch bei Beachtung der Grundsätze guter wissenschaftlicher Praxis nicht immer vermeidbar ist.

1 Die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis

1.1 Allgemeine Prinzipien wissenschaftlicher Arbeit

  1. Es ist nach dem Prinzip lege artis zu arbeiten: Die wissenschaftliche Tätigkeit soll entsprechend den rechtlichen Regelungen, den ethischen Normen wie auch dem aktuellen Stand der Forschung durchgeführt werden.
  2. Resultate und methodisches Vorgehen sollen eindeutig dokumentiert werden. Dazu gehört auch die zuverlässige Sicherung und Aufbewahrung von Primärdokumenten (vergleiche 1.4).
  3. Ergebnisse sollen konsequent kritisch angezweifelt und hinterfragt werden. Wissenschaftliche Ergebnisse dürfen nicht gegen Kritik immunisiert werden.
  4. In Bezug auf Beiträge von Fachkolleginnen und Fachkollegen ist eine strikte Ehrlichkeit zu wahren. Wissenschaftliche Arbeiten von Anderen sind nicht zu behindern und, falls darauf Bezug genommen wird, angemessen zu zitieren.
  5. Eine verantwortungsvolle Betreuung des wissenschaftlichen Nachwuchses ist sicherzustellen.
  6. Kritik und Zweifel von Kolleginnen und Kollegen sind zu respektieren, auf eine uneigennützige und unvoreingenommene Begutachtung der Arbeiten von Kolleginnen und Kollegen ist zu achten oder bei Befangenheit darauf zu verzichten.
  7. Das Prinzip der Öffentlichkeit der Grundlagenforschung ist zu wahren, d.h. eine Veröffentlichung der mit öffentlichen Mitteln erzielten Ergebnisse ist in jedem Fall anzustreben.
  8. Wissenschaftliches Fehlverhalten im eigenen Umfeld ist zu vermeiden und die Grundsätze der guten wissenschaftlichen Praxis sind in allen Fällen zu wahren.


Streng zu ahnden sind Verstöße gegen diese Regeln, dazu zählen insbesondere

  • Manipulieren, Erfinden oder Fälschen von Daten,
  • Verschweigen, ignorieren oder bewusst missverständliche Darstellung von eigenen oder fremden Forschungsergebnissen,
  • Beeinträchtigung der Forschungsarbeit anderer durch Manipulation oder Sabotage,
  • Vertrauensbruch als Gutachter oder Vorgesetzter, z.B. durch Verzögerung von Veröffentlichungen anderer oder die unbefugte Weitergabe von Texten vor der Veröffentlichung an Dritte,
  • Missachtung des geistigen Eigentums anderer (Plagiat), das bezieht sich nicht nur auf veröffentlichte Arbeiten, sondern auch auf Ideen, Methoden, Vorarbeiten und Forschungsansätze, und beinhaltet auch falsche oder missverständliche Angaben zur Autorenschaft und Mitautorenschaft von Arbeiten,
  • Beihilfe oder Mitwisserschaft bei wissenschaftlichem Fehlverhalten anderer.


1.2 Zusammenarbeit und Leitungsverantwortung in Arbeitsgruppen

Die Institutsleitung, die Forschungsgruppenleitungen, die Projektleitungen und die Projektkoordinatoren haben eine besondere Verantwortung für die Einhaltung der Regeln und für die Qualitätssicherung wissenschaftlicher Arbeit. Sie haben in ihrem Zuständigkeitsbereich sicherzustellen, dass diese Aufgaben wahrgenommen und die Regelungen eingehalten werden.

1.3 Die Betreuung des wissenschaftlichen Nachwuchses

Die Verantwortlichen für die Betreuung des wissenschaftlichen Nachwuchses (Studenten, Praktikanten, Doktoranden und Post-Docs) haben die Aufgabe, die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis zu vermitteln und deren Einhaltung sicherzustellen.

1.4 Die Sicherung und Aufbewahrung von Primärdaten

Daten und alle anderen Unterlagen, die zum Nachvollzug des Forschungsprozesses bzw. von publizierten Forschungsergebnissen notwendig sind und nicht bereits publiziert vorliegen oder von anderen Institutionen archiviert werden, müssen mindestens 10 Jahre aufbewahrt werden. Diese Verpflichtung kann das BiB delegieren, etwa durch die Abgabe von Datensätzen und Dokumenten an Archive (z.B. GESIS).

1.5 Wissenschaftliche Veröffentlichungen

Die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis sind Grundlage aller Veröffentlichungen des BiB und gelten für alle an den Veröffentlichungen Beteiligten. Hierunter fallen neben internen und externen (Co-)Autoren auch alle sonstigen Parteien, einschließlich Gutachtern, Herausgebern, Redakteuren oder Mitgliedern in Beiräten. Sofern Mitglieder des BiB die genannten oder ihnen entsprechende Funktionen für Publikationen Dritter übernehmen, gelten diese Regeln analog auch für diese Tätigkeiten.

Autoren sind für den Inhalt einer wissenschaftlichen Veröffentlichung gemeinsam verantwortlich. Mit der Freigabe einer Druckfahne zur Veröffentlichung erklären die Autoren, dass sie die Verantwortung für den Inhalt und die mit der Veröffentlichung darüber hinaus verbundenen Verpflichtungen (z.B. Einhaltung von Autorenrichtlinien und Regeln guter wissenschaftlicher Praxis entsprechend den Bestimmungen im vorliegenden Dokument, vertraglichen Verpflichtungen gegenüber Dritten, z.B. Herausgeber oder Verlag, gesetzlichen Bestimmungen usw.) übernehmen. Autoren tragen die Verantwortung dafür, dass sie alle Rechte an ihrer Veröffentlichung besitzen (z.B. Nutzungs- und Publikationsrechte an verwendeten Daten) und Inhalte Dritter (z.B. urheberrechtlich geschützte Daten, Abbildungen, Texten etc.) nur im Rahmen gesetzlicher Vorschriften bzw. eingeräumter Nutzungsrechte verwendet werden. Entsprechende Inhalte müssen als Zitate gekennzeichnet bzw. Quelle und ggf. Inhaber des Urheberrechts nachgewiesen werden. Autorenkollektive bestimmen einen federführenden Autor und ermächtigen ihn in ihrem Namen alle zur Veröffentlichung notwendigen Erklärungen abzugeben, insbesondere die Freigabe der Druckfahne zur Veröffentlichung. Es obliegt dem federführenden Autor hierzu die entsprechenden Genehmigungen seiner Mitautoren einzuholen.

Eine Ehrenautorenschaft ist grundsätzlich auszuschließen. Aus der Einwerbung von Projektmitteln bzw. der Bereitstellung von Arbeitsmaterialien, Daten usw. begründet sich noch kein Anspruch auf Co-Autorenschaft. Gleiches gilt für Redaktion, Lektorat oder allgemeine Beratungsfunktionen, wie sie bei der Betreuung wissenschaftlichen Nachwuchses ausgeübt werden bzw. die Genehmigung einer Publikation als Vorgesetzter oder Projektleiter.

Mitautor einer Veröffentlichung kann nur sein, wer einen eigenen schöpferischen Beitrag zu der Forschungsarbeit geleistet hat. Dieser bezieht sich nicht nur auf die Erhebung von Daten, Durchführung von Analysen und das Verfassen von Text, sondern kann sich auch auf Projekt- und Analyseideen, Methoden, Vorarbeiten, Forschungsansätze etc. begründen, sofern diese einen wesentlichen Beitrag zur Veröffentlichung darstellen. Beiträge zu einer Publikation, die keinen eigenen schöpferischen Beitrag zur Veröffentlichung darstellen, z.B. finanzielle Förderung, Projektkooperationen, Überlassung von Daten, Zuarbeiten, Beratung usw., können in einer Anmerkung dokumentiert werden.

1.6 Leistungs- und Bewertungskriterien

Die Leistungs- und Bewertungskriterien für Beförderungen, Einstellungen und Leistungsbewertungen sind im BiB so festgelegt, dass Originalität und Qualität als Bewertungsmaßstab stets Vorrang vor Quantität haben.

1.7 Einsatz einer Vertrauensperson

Als Ansprechpartner in Konfliktfällen und in Fragen zur guten wissenschaftlichen Praxis wird eine Vertrauensperson eingesetzt. Als Vertrauensperson wird der nebenamtliche Direktor/ die nebenamtliche Direktorin bestimmt. Der nebenamtliche Direktor ist laut Errichtungserlass über das BiB der Leiter oder die Leiterin der für Bevölkerungsstatistik zuständigen Abteilung des Statistischen Bundesamts und deshalb neutral und unabhängig gegenüber der Leitung des BiB. Bei Vorwürfen, die eine Verletzung guter wissenschaftlicher Praxis zum Inhalt haben, fungiert die Vertrauensperson als erster Ansprechpartner und führt die Vorermittlung und gegebenenfalls das Hauptverfahren durch (siehe 2.1).

2 Der Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten

2.1 Verfahren zum Umgang mit Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens

Die Beschäftigten des BiB wenden sich in Konfliktfällen, auch in Fragen vermuteten wissenschaftlichen Fehlverhaltens, an die Vertrauensperson. Diese leitet die Vorermittlung ein.

In der Vorermittlung hört die Vertrauensperson in streng vertraulichen Gesprächen die Vorwürfe des Anschuldigenden und die Position des Beschuldigten und ermittelt dadurch die Tatsachen und das Geschehen innerhalb kurzer Zeit nach dem Bekanntwerden der Anschuldigungen (Plausibilitätskontrolle). In dieser Phase steht der Schutz des potenziell Unschuldigen im Vordergrund. Am Ende der Vorermittlung steht der Entschluss der Vertrauensperson, ob weitere Untersuchungen eingeleitet werden oder sich der Vorwurf als gegenstandslos erwiesen hat.

Sollte der Verdacht sich verdichtet haben wird das Hauptverfahren von der Vertrauensperson eingeleitet. Die Vertrauensperson beruft eine Kommission ein, die sich aus den wissenschaftlichen Kuratoriumsmitgliedern (bei Autoren von CPoS aus den Mitgliedern des wissenschaftlichen Beirats) zusammensetzt. Die Kommission führt unabhängig vom hauptamtlichen Direktor die erforderlichen Untersuchungen und Beweisaufnahmen durch, stellt am Ende die förmliche Feststellung, dass wissenschaftliches Fehlverhalten vorliegt oder nicht und verfasst Handlungsempfehlungen für den hauptamtlichen Direktor. Die Vertrauensperson organisiert und moderiert die Kommission, stellt dieser den Sachverhalt und den Stand der bisherigen Ermittlungen dar und leitet das Ergebnis der Kommission an den hauptamtlichen Direktor weiter. Die Vertrauensperson ist jedoch kein stimmberechtigtes Mitglied der Kommission. Der hauptamtliche Direktor entscheidet nach dem Verfahren über die möglichen Konsequenzen.

Das Hauptverfahren sowie die Reaktion werden innerhalb eines zeitlich angemessenen Rahmens durchgeführt und schriftlich in einem Protokoll festgehalten.

Das rechtliche Gehör des/der Betroffenen ist zu wahren. Er/sie kann – ebenso wie der/die Informierende bei Gegenäußerungen – verlangen, persönlich angehört zu werden. Das Akteneinsichtsrecht der Beteiligten richtet sich nach den allgemeinen Bestimmungen. Die an einer Untersuchung Beteiligten erhalten Zugriff auf personenbezogene und vertrauliche Informationen, soweit es der Untersuchungsauftrag erfordert. Über das Verfahren ist Vertraulichkeit zu bewahren, solange nicht der Nachweis eines Fehlverhaltens geführt wurde.

Die Befangenheit eines Ermittlers kann sowohl in der Vorermittlung als auch im Hauptverfahren jederzeit durch diesen selbst oder durch den Angeschuldigten geltend gemacht werden. Als Ermittler sind sowohl die Vertrauensperson als auch die Mitglieder der Kommission anzusehen.

Dieses Verfahren findet seine Grenzen dort, wo gesetzliche Regelungen greifen.

2.2 Konsequenzen wissenschaftlichen Fehlverhaltens

Wissenschaftliches Fehlverhalten bzw. der Verstoß gegen die Regeln der guten wissenschaftlichen Praxis kann arbeitsrechtliche, dienstrechtliche, studienrechtliche, strafrechtliche oder zivilrechtliche Folgen gemäß den jeweils geltenden Rechtsvorschriften haben.

Beiträge in Publikationen des BiB, die unter Missachtung der Regeln guter wissenschaftlicher Praxis entsprechend den Bestimmungen im vorliegenden Dokument, der Autorenrichtlinien oder gesetzlicher Bestimmungen erstellt und eingereicht wurden, können vom Herausgeber, auch ohne Zustimmung von Autoren und ggf. vor Abschluss einer Prüfung durch eine Untersuchungskommission, vorläufig oder dauerhaft zurückgezogen und/oder gelöscht werden. Dies gilt analog auch für Beiträge, die das Ansehen das BiB gefährden sowie für andere wichtige Gründe. Autoren sind verpflichtet, Beiträge unverzüglich zu widerrufen oder zurückzuziehen, wenn ihnen Sachverhalte bekannt werden, die einer ordnungsgemäßen Veröffentlichung widersprechen, insbesondere inhaltliche Fehler, Verstöße gegen die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis entsprechend den Bestimmungen im vorliegenden Dokument, die Autorenrichtlinien oder gesetzliche Bestimmungen. Werden Beiträge unter Bezug auf eine Institution eingereicht, wird diese vom Herausgeber darüber informiert, wenn ein Beitrag widerrufen oder zurückgezogen wurde. Werden Beiträge widerrufen oder zurückgezogen, wird dies, ggf. unter Nennung des Sachverhalts, veröffentlicht und externen Partnern (Kataloge, Datenbanken, Suchmaschinen) mitgeteilt.

Wiesbaden, 13.08.2013

Der Direktor des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung
Prof. Dr. Norbert F. Schneider

Diese Seite

© Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung - 2014