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Forschung

Forschung als Grundlage der Politikberatung

Forschung am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) ist theoriegeleitet, problemorientiert und praxisnah und hat das Ziel, wissenschaftliche Befunde und Daten zu bevölkerungswissenschaftlichen Themen bereitzustellen, um eine kompetente Politikberatung auf wissenschaftlicher Grundlage zu garantieren und der Öffentlichkeit fundierte Informationen zu übermitteln. Daher sind die Durchführung von Studien und die Anfertigung von Expertisen zu aktuellen politischen Themen, deren Bearbeitung dem BiB direkt vom Bundesministerium des Innern übertragen wird, ein zentraler Bestandteil der Forschungs- und Beratungstätigkeit des Instituts. Im Rahmen dieser Aufgabe arbeitet das BiB an der Entwicklung der Demografiestrategie „Jedes Alter zählt“ der Bundesregierung mit. Im Jahr 2012 wurde ihm die Aufgabe des Aufbaus und der Betreuung des Demografieportals des Bundes und der Länder übertragen.

In seiner Forschungstätigkeit verfolgt das BiB zwei grundsätzliche Zielstellungen. Erstens betreibt es ein Monitoring der demografischen Entwicklungen in Deutschland, Europa und der Welt. Verfolgt werden neben den demografischen Trends auch die theoretischen und methodischen Entwicklungen. Zweitens werden Forschungen zu besonderen Fragestellungen wie den Ursachen der Kinderlosigkeit, den Wirkungen von Familienleitbildern auf das generative Verhalten, den internationalen Wanderungen, den Folgen der berufsbedingten Mobilität oder den Potenzialen älterer Menschen in Beruf, Familie und Ehrenamt ausgeführt. Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung strebt an, dass die in den Forschungsprojekten erzielten Ergebnisse die Grundlage wissenschaftlicher Artikel bilden, die in begutachteten Zeitschriften publiziert werden.

Das Forschungsprogramm 2014

Das Forschungsprogramm des Jahres 2014 das nunmehr das Fünfte im Gültigkeitszeitraum des Mittelfristigen Forschungsprogramms 2010 bis 2015. Das BiB hat seine Forschungstätigkeit auf vier zentrale Bereiche des demografischen Wandels ausgerichtet. Das sind erstens die Familien- und Fertilitätsforschung, zweitens die Migrations- und Mobilitätsforschung, drittens die Forschungstätigkeiten zu Alterung und Mortalität sowie viertens die Beobachtung aktueller demografischer Entwicklungen. Im Jahr 2014 sollen insgesamt 23 Forschungsprojekte realisiert werden. Zu den zentralen Projekten zählen die Studie „Familienleitbilder in Deutschland“, die Projekte „Kinderlosigkeit und Kinderreichtum“, „Motive von Auswanderern aus Deutschland“, „Berufsbedingte räumliche Mobilität im Lebensverlauf“ und „Transitions and Old Age Potential“.

Familienleitbilder in Deutschland

Im Rahmen dieses Forschungsprojekts werden vorherrschende Familienleitbilder in Deutschland identifiziert und beschrieben, die die Partnerschaft, die Eltern-Kind-Beziehung und schließlich auch den Kinderwunsch bzw. die Entscheidung für oder gegen (weitere) Kinder beeinflussen. Zentrale Zielsetzung der Studie ist es, die Lücke im Wissen um diese Zusammenhänge zu schließen und die derzeit noch unzureichende Datenlage zu verbessern. Aus der Befragung sollen Empfehlungen für die Politik abgeleitet werden, die auf die Wünsche junger Menschen in Deutschland abgestimmt sind. Hieraus sollen sich neue Chancen zur Ableitung familienpolitischer Handlungsansätze ergeben.

Kinderlosigkeit und Kinderreichtum

Dem Projekt liegt die Idee zugrunde, dass die Frage nach dem niedrigen Geburtenniveau in Deutschland differenziert zu beantworten ist. Insbesondere für Westdeutschland hat das niedrige Geburtenniveau zwei Gründe: Zum einen gibt es vergleichsweise viele Menschen, die dauerhaft kinderlos bleiben; zum anderen gibt es nur noch sehr wenige „kinderreiche“ Familien mit mehr als zwei Kindern (Ostdeutschland: hoher Anteil von Ein-Kind-Familien bei niedrigerer Kinderlosigkeit). Das Projekt wird in einer ersten Phase den Stand der Forschung zu Kinderlosigkeit und zu Kinderreichtum aufarbeiten und die Datenlage sondieren. In einer zweiten Phase werden vorhandene Surveydaten auf die Frage hin sekundäranalytisch ausgewertet, inwieweit sie Hinweise auf Ursachen für Kinderlosigkeit oder für Kinderreichtum geben können. Das Projekt K&K wird durch mehrere Teilprojekte ergänzt, die eigene thematische Schwerpunkte setzen, aber große Schnittmengen zur K&K-Forschungsagenda aufweisen. Dies sind die Projekte „Paritätsspezifische und regionale Fertilitätsmuster“, „Paare in Kinderwunschbehandlung (PinK)“ und „Determinanten der Geburtenentwicklung im internationalen Vergleich.

Motive von Auswanderern aus Deutschland

Im Kontext der zunehmenden Globalisierung und transnationaler Migrationsprozesse ist die internationale Mobilität der Bevölkerung in Deutschland seit Ende der 1990er Jahre verstärkt in das Blickfeld von Öffentlichkeit, Politik und Wissenschaft geraten. Ziel der Pilotstudie ist die Analyse von Aus- und Rückwanderungsprozessen. Dabei sind die verschiedenen Wanderungsmotive von besonderem Interesse. Welche Rolle spielen individuelle Faktoren und Veränderungen im Lebensverlauf? Welche Bedeutung hat die Internationalisierung der Ausbildung und der Arbeitsmärkte? Aber auch der Einfluss ökonomischer und politischer Kontextbedingungen sowohl im Herkunftsland als auch in den Zielländern auf individuelle Aus- und Rückwanderungsentscheidungen sollen untersucht werden. Neben diesen grundsätzlichen inhaltlichen Erkenntnisinteressen zielt das Pilotprojekt insbesondere darauf ab, die Machbarkeit der Ziehung einer repräsentativen Stichprobe unter der international mobilen Bevölkerung in Deutschland zu untersuchen.

Berufsbedingte räumliche Mobilität im Lebensverlauf

In einer immer stärker flexibilisierten und globalisierten Gesellschaft – und insbesondere Wirtschaft – wird die räumliche Beweglichkeit der Arbeit selbst und damit auch der Arbeitskräfte zunehmend bedeutsam. Diese Entwicklung wird flankiert durch eine gestiegene Bildungs- und Erwerbsbeteiligung von Frauen. Dies führt zum einen zu einer höheren Wahrscheinlichkeit von Mobilität auf der Ebene von Paaren. Zum anderen ist hierdurch auch die Art der gewählten „mobilen Lebensform“ tangiert. Gilt es, zwei Berufskarrieren zu verbinden, werden Formen des Pendelns häufiger gewählt als Umzüge. Ziel des Forschungsprojekts ist die Untersuchung beruflich bedingter räumlicher Mobilitätsprozesse im Lebensverlauf. Im Fokus stehen Analysen für Deutschland sowie im europäischen Vergleich. Untersucht werden Ursachen und Konsequenzen dieser Prozesse hinsichtlich zentraler (Lebens-)Bereiche wie Partnerschaft, Familie oder Lebensqualität. Basis sind die Studie „Job Mobilities and Family Lives in Europe“ (JobMob-Panelerhebung in Deutschland, Frankreich, Spanien und der Schweiz) sowie das „Beziehungs- und Familienpanel“ (pairfam).

Transitions and Old Age Potential: Übergänge und Alternspotentiale

Vor dem Hintergrund einer verbesserten Lebenssituation älterer Menschen werden in den letzten Jahren die „Potenziale des Alters“ als zentraler Gegenstand der Alternsforschung und der Demografiepolitik betont. Dabei interessiert aus gesellschaftlicher Perspektive, inwieweit ältere Menschen im Erwerbsleben, in der Zivilgesellschaft und in der Familie einen Beitrag zur Gestaltung des demografischen Wandels leisten können. Für die individuelle Entscheidung für oder gegen die Aufnahme bzw. Weiterführung solcher Tätigkeiten sind neben den über den Lebensverlauf hinweg erworbenen Ressourcen auch verschiedene Formen des Übergangs in den Ruhestand bedeutsam. Das Projekt untersucht die Potenziale älterer Menschen in den Bereichen Erwerbsarbeit, Zivilgesellschaft und Familie. Dabei sind sowohl die Tätigkeiten in diesen Bereichen als auch deren Einstellungen bzw. Absichten hierzu sowie die Einflüsse von Lebensbedingungen und -ereignissen von Interesse. Das interdisziplinäre Projekt führt das BiB seit 2010 zusammen mit mehreren universitären Kooperationspartnern durch. Die Erstbefragung von 5.002 Personen zwischen 55 und 70 Jahren konnte im Jahr 2013 abgeschlossen werden.




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