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Internationale Migration von Deutschen

Inhalt und Ziel

In den vergangenen Jahren hat sich eine intensive Debatte über die steigende Auswanderung aus Deutschland entwickelt. Besonders beunruhigend ist die offensichtliche Tendenz der internationalen Migration der am höchsten qualifizierten Arbeitskräfte. Jedoch leidet die kontroverse öffentliche und akademische Diskussion unter einem Mangel an differenzierten wissenschaftlichen Analysen. Vor diesem Hintergrund ist es das Ziel dieses Projektes, den gegenwärtigen Stand der Forschung zur internationalen Migration von deutschen Staatsbürgern aufzuarbeiten und durch eigene Untersuchungen zu genaueren Erkenntnissen sowohl über Entwicklung und Struktur als auch zur Erklärung dieser Wanderungen zu gelangen. Die bisherigen Ergebnisse wurden im Rahmen einer Monographie zusammengefasst und im Juni 2010 veröffentlicht. Zukünftige Analysen werden sich insbesondere auf die Auswanderung Hochqualifizierter im europäischen und internationalen konzentrieren.


Ausgewählte Befunde

  • Am Beispiel der Auswanderung in die EU-14-Staaten zeigt sich, dass die internationale Mobilität Deutscher stark vom Bildungs- und Qualifikationsniveau geprägt ist. Von den 25- bis 64-jährigen Deutschen, die das Land verlassen, weist etwa die Hälfte einen Hochschulabschluss auf; bei der Vergleichsgruppe der nicht mobilen deutschen Wohnbevölkerung trifft dies nur für etwas mehr als ein Viertel zu. Auch die Berufsqualifikation der deutschen Auswanderer liegt weit über dem Niveau der deutschen Bevölkerung: Jeder zweite Auswanderer ist als ‚Führungskraft’ oder als ‚Wissenschaftler’ beschäftigt. Zum Vergleich: Der Anteil an der deutschen Gesamtbevölkerung liegt hier nur bei etwa einen Fünftel. Für die USA und die Schweiz, die beiden wichtigsten Zielländer deutscher Auswanderer, lassen sich diese Ergebnisse ebenfalls übertragen.
  • Die dauerhafte Auswanderung ist ein eher seltenes Phänomen. Der Umfang der Rückwanderungen deutet darauf hin, dass sich etwa drei Viertel aller international mobilen Deutschen im Sinne einer ‚brain circulation’ lediglich temporär im Ausland aufhalten und dann wieder zurückkehren. Gemessen am Anteil der Personen mit einem Hochschulabschluss liegt das durchschnittliche Bildungsniveau unter den deutschen Rückwanderern sogar leicht höher als unter den Auswanderern. Ein deutlich unterschiedliches Muster wird bei der vergleichenden Analyse der Berufsqualifikation von Aus- und Rückwanderern offensichtlich: Während der Anteil der ‚Wissenschaftler’ unter den Rückwanderern dem der Auswanderer entspricht, liegt der Anteil der ‚Führungskräfte’ bei den Rückwanderern deutlich niedriger. Daraus folgt, dass Wissenschaftler in ihrem Wanderungsverhalten eher einer ‚brain circulation’ folgen; bei den ‚Führungskräften’ kann man hingegen von einer tendenziell längerfristigen Auswanderung ausgehen, was als dauerhafter Verlust dieser Migrantengruppe im Sinne eines ‚brain drain’ interpretiert werden sollte.
  • Für die letzten Jahre zeigt sich für Deutschland eine ausgeglichene Wanderungsbilanz Hochqualifizierter. Es wandern ungefähr genauso viele höher gebildete Deutsche in einen der EU-14-Mitgliedstaaten aus wie umgekehrt hochqualifizierte Staatsbürger aus den gleichen EU-Staaten nach Deutschland einwandern. Werden die Berufsqualifikationen berücksichtigt, dann zeigt sich hingegen eine leicht negative Wanderungsbilanz.

Eine längerfristige Bearbeitung des Themas der internationalen Migration zwischen Industriestaaten und insbesondere innerhalb der Europäischen Union am BiB ist vorgesehen. In Vorbereitung ist die Durchführung eines eigenständigen Surveys zur internationalen Migration Deutscher, der für die Jahre 2013/14 geplant ist.


Veröffentlichungen

Ette, Andreas; Sauer, Lenore (2010): Abschied vom Einwanderungsland Deutschland? Die Migration Hochqualifizierter im europäischen und internationalen Vergleich. Policy Paper im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung. Gütersloh

Ette, Andreas; Sauer, Lenore (2010): Auswanderung aus Deutschland. Daten und Analysen zur internationalen Migration deutscher Staatsbürger. Wiesbaden: VS Verlag

Ette, Andreas; Unger, Rainer; Graze, Philip; Sauer, Lenore (2008): Measuring Spatial Mobility with the German Microcensus: The Case of German Return Migrants. In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft 33,3-4: 409-432

Sauer, Lenore (2008): Zur Diskussion gestellt: „Brain Drain“: Gibt es in Deutschland zu wenig Möglichkeiten für Spitzenforscher? In: Ifo Schnelldienst 4: 12-14

Sauer, Lenore; Ette, Andreas (2007): Auswanderung aus Deutschland. Stand der Forschung und erste Ergebnisse zur internatonalen Migration deutscher Staatsbürger. Materialien zur Bevölkerungswissenschaft 123. Wiesbaden: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung


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Dr. Lenore Sauer

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