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Heiratsmigration und Ehegattenzuzug aus der Türkei nach Deutschland

Inhalt und Ziel

Die Themen „Heiratsmigration“ und „Ehegattenzuzug“ werden in der deutschen Öffentlichkeit vor allem unter dem Aspekt der Integration des hinzuziehenden Partners diskutiert und beziehen sich deshalb im Wesentlichen auf Prozesse, die nach der Migration stattfinden. Zudem stehen im Fokus der politischen Debatten öfter Zuwanderer muslimischen Glaubens und im deutschen Kontext in erster Linie die Heiratsmigration aus der Türkei, was vor allem dem quantitativen Ausmaß dieser Zuwanderung geschuldet ist, welche die Zuzüge aus anderen Nicht-EU-Staaten übertrifft. Geht man von den erteilten Visa zum Ehegattennachzug aus, betrifft die Heiratsmigration aus der Türkei Männer und Frauen in ähnlichem Ausmaß, wogegen der Zuzug aus anderen Herkunftsländern (z. B. Thailand) überwiegend aus nachziehenden Ehegattinnen besteht. Deshalb bietet die Untersuchung der Heiratsmigration aus der Türkei die Gelegenheit, eine viel beachtete und quantitativ bedeutsame Gruppe von Heiratsmigrantinnen und Heiratsmigranten zu untersuchen.

Die deutschsprachige Forschungsliteratur zu dem Thema weist zur Zeit erhebliche Lücken auf und konzentriert sich auf rein quantitative bzw. rechts- und politikwissenschaftliche Aspekte. Die wenigen Arbeiten, die sich des Themas bisher aus soziologischer Perspektive angenommen haben, untersuchen die Partnerwahlpräferenzen der im Zielland ansässigen Partner, zumeist der zweiten bzw. dritten Migrantengeneration.

Sowohl die Perspektive der zuziehenden Partner als auch die Umstände, die der Migration vorgelagert sind sowie den Einwanderungsprozess begleiten, sind in der bisherigen Forschung vernachlässigt worden. Aus einer lebenslaufsoziologischen Perspektive beinhaltet dieser Lebensabschnitt allerdings mehrere wichtige Entscheidungen und Übergänge, so z. B. den Prozess der Partnerwahl, die Anbahnung der ehelichen Lebensgemeinschaft, die Vorbereitung auf einen (transnationalen) Ortswechsel, die Realisierung der Heirat und der Migration sowie die Gründung eines neuen Haushalts und die Akkommodation in einem neuen Lebensumfeld. Im Rahmen dieses Forschungsprojektes soll daher die Dynamik der Heiratsmigration aus der Perspektive sowohl des in Deutschland lebenden als auch des hinzuziehenden Partners erforscht werden.


Veröffentlichungen

Aybek, Can; Babka v. Gostomski, Christian; Rühl, Stefan; Straßburger, Gaby (2013): Heiratsmigration in die EU und nach Deutschland. Ein Überblick. In: Bevölkerungsforschung Aktuell 34,2: 12-22

Aybek, Can (2012): Politics, Symbolics and Facts: Migration Policies and Family Migration from Turkey to Germany. In: Perceptions – Journal of International Affairs 17,2: 37-59


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