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Neue Studie zu Familienleitbildern in Deutschland mit verblüffenden Ergebnissen

Pressemitteilung 7/2013 vom 19.06.2013

Ein seit Jahrzehnten niedriges Geburtenniveau wirft Fragen auf: Welchen Stellenwert hat Familie in Deutschland? Was denken gerade junge Leute über Familiengründung? Und welche Vorstellungen haben sie davon, wie Familienleben normalerweise aussieht oder idealerweise aussehen sollte? Dazu hat das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) 5.000 Menschen im Alter von 20 bis 39 Jahren befragt und die Ergebnisse in einer neuen Broschüre zusammengefasst. Diese wird anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Instituts heute veröffentlicht – mit teilweise verblüffenden Ergebnissen.

• Hohe Akzeptanz für homosexuelle Paare mit Kindern

Homosexuelle Paare mit Kindern werden in Deutschland von einer großen Mehrheit als ‚Familie‘ anerkannt. Demnach sehen 88 % der Befragten in schwulen oder lesbischen Lebensgemeinschaften mit Kindern eine Form des familiären Zusammenlebens. Die Zustimmung liegt sogar noch etwas über Patchwork-Konstellationen (85 %) und über alleinerziehenden Müttern (82 %). Dagegen werden kinderlose Ehepaare und unverheiratet zusammenlebende Paare mit 68 % bzw. 33 % Zustimmung deutlich seltener als Familien bezeichnet.

Die Grafik zeigt den Anteil der Zustimmung (in Prozent) auf die Frage, was als Familie bezeichnet werden könne, in Bezug auf bestimmte Lebensformen Was ist für Sie eine „Familie“?

• Eigene Kinder zu haben finden 85 Prozent wichtig

Der überwiegende Anteil junger Menschen (85 %) findet es wichtig oder sehr wichtig, eigene Kinder zu haben. Dagegen ist die Gruppe, die dem Nachwuchs keinen Stellenwert beimisst, eher gering (15 %). Dabei unterscheiden sich West- und Ostdeutsche kaum voneinander. Überraschend ist dies insofern, als für Ostdeutschland immer wieder eine geringere Kinderlosigkeit und ein
höherer Kinderwunsch festgestellt wurden. Das lässt den Schluss zu, dass es hinsichtlich der allgemeinen Bedeutung von Kindern einen generellen Konsens zwischen den West- und Ostdeutschen gibt, der aber aufgrund unterschiedlicher Rahmenbedingungen wie etwa der Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Elternschaft anders praktiziert wird.

• Frauen und Männer wären gerne jünger bei Geburt des ersten Kindes

27,0 Jahre bei den Frauen und 28,9 Jahre bei den Männern gelten als das ideale Alter bei der Geburt des ersten Kindes. Das gaben die 5.000 befragten Personen als Durchschnittswert an. In der Realität liegt das durchschnittliche Alter von Frauen bei Erstgeburt jedoch 2,2 Jahre über dieser Marke. „Dies ist ein Hinweis darauf, dass vor allem Frauen ihre Kinder gerne früher bekommen möchten, als sie das gegenwärtig tatsächlich tun“, so Dr. Jürgen Dorbritz vom BiB. Junge Menschen im Osten hätten das erste Kind im Schnitt gerne ein Jahr früher als im Westen.

• Kinderlosigkeit ist sozial akzeptiert

59 % der Befragten meinen, dass es etwas ganz Normales sei, keine Kinder zu haben. „Kinderlos zu sein ist heute kein Makel mehr“, erklärt Dr. Sabine Gründler vom BiB. „Vielmehr zeigen die Ergebnisse, dass Kinderlosigkeit mittlerweile sozial akzeptiert ist.“ In Westdeutschland ist der Anteil kinderloser Frauen deutlich höher als in Ostdeutschland, gleichzeitig ist im Westen die Ansicht weiter verbreitet, dass Kinderlose höhere Steuern oder Abgaben leisten sollten als Eltern: Dieser Forderung stimmen im Westen 42 % der Befragten zu, im Osten sind es 36 %.

• „Ideale Mutter“ ist erwerbstätig, unabhängig und nachmittags zuhause

Wodurch zeichnet sich eine „gute Mutter“ aus? Die Mehrheit der jungen Menschen in Deutschland malt das Idealbild von einer in Teilzeit arbeitenden und unabhängigen Mutter, die sich nachmittags um die Erziehung kümmert. Folgt man nämlich den Aussagen der Befragten, dann sollen Mütter einem eigenen Beruf nachgehen (Zustimmung unter Frauen 84 %) und den Nachwuchs bei den Hausaufgaben unterstützen (83 %). Bei Männern fällt die Zustimmung zu diesen Punkten um etwa zehn Prozentpunkte niedriger aus (73 % bzw. 71 %).

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