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Ostdeutschland mit Spitzenwert bei nichtehelichen Kindern in Europa

Grafik des Monats – Juni 2010

Weit mehr als die Hälfte aller Kinder, die 2008 in den Neuen Bundesländern geboren wurden, haben eine nichtverheiratete Mutter. Mit einem Anteil von 57,8 Prozent nichtehelicher Kinder an allen Geborenen belegt Ostdeutschland einen Spitzenplatz in Europa. Lediglich Island (64,1 Prozent) und Estland (59,1 Prozent) weisen eine noch höhere Nichtehelichenquote auf. Das ist das Ergebnis eines europaweiten Vergleichs, den das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) durchgeführt hat.

Im früheren Bundesgebiet hingegen liegt die Quote sogar unter dem europäischen Durchschnittswert von 31,2 Prozent. Hier wird nur jedes vierte Kind nichtehelich geboren (25,8 Prozent), allerdings mit steigender Tendenz. Den Hauptgrund für die Ost-West-Unterschiede sieht Dr. Jürgen Dorbritz vom BiB in der gesellschaftlichen Akzeptanz: "Die nichteheliche Elternschaft ist in den Neuen Bundesländern zur sozialen Normalität geworden. Weil das Zusammenleben ohne Trauschein als Lebensform anerkannt ist, haben sich Eheschließungen und Geburten zunehmend entkoppelt." Mit der Häufigkeit nichtehelicher Geburten hat sich auch deren Charakter verändert: Waren Schwangerschaften bei nichtverheirateten Frauen früher meist ungeplant, so entscheiden sich heute viele ganz bewusst für den Nachwuchs außerhalb der Ehe.

Im europäischen Kontext offenbaren sich weitere regionale Disparitäten. So haben die Staaten in Nord- und Westeuropa tendenziell hohe Nichtehelichenquoten, während in Süd- und Osteuropa die niedrigsten Werte auftreten (Griechenland: 6,5 Prozent). Die Versorgung mit Kinderbetreuungseinrichtungen, rechtliche Rahmenbedingungen sowie religiöse und gesellschaftliche Normen gelten als wichtigste Erklärungsansätze für diese Unterschiede.

Die Grafik zeigt den prozentualen Anteil der Nichtehelichenquote in ausgewählten europäischen Ländern im Jahr 2008 Nichtehelichenquote in ausgewählten europäischen Ländern, 2008

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